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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Ein Trampeltier als Ampeltier

Kamel-Ampel
(Foto: VCG/Getty Images)

In der Nähe der chinesischen Stadt Dunhuang nimmt eine Kamel-Ampel ihren Betrieb auf. Existiert mitten in der Wüste etwa ein Verkehrsnadelöhr?

Von Titus Arnu

Ampeltiere sind in Mitteleuropa so selten wie Trampeltiere. Pferdeampeln signalisieren in Wimbledon hü (grün) und brr (rot). Eine Kuhampel, die 2013 in Dittersdorf (Thüringen) gebaut wurde, sollte Rindviechern die sichere Überquerung einer Umgehungsstraße ermöglichen - sie kostete 30 000 Euro, ging aber nie in Betrieb. Ähnlich war es mit der Ottifanten-Ampel in Emden und der Esel-Ampel in Wesel: nette Ideen, aber die Behörden gaben kein grünes Licht. Ampeltiere sind unvereinbar mit der deutschen Straßenverkehrsordnung. Fußgängerampeln müssen Zweibeiner zeigen, nicht Vierbeiner, basta.

In der chinesischen Provinz Gansu sieht die Sache ganz anders aus: Dort gibt es Hunderttausende Trampeltiere, auch Baktrische Kamele genannt - und neuerdings ein Ampeltier mit zwei Höckern. In der Nähe der Wüstenstadt Dunhuang wurde eine moderne Signalanlage erfolgreich in den Sand gesetzt. Die Ampel steht an einem Verkehrsknotenpunkt mitten in der Wüste. Rot oder grün leuchtende Kamele zeigen an, wann Tiere und wann Menschen auf den touristischen Trampelpfaden Vorrang haben. Sinnlose Geldverschwendung oder Werbung für die Wüste? Wenn man das wüsste.

Die chinesischen Behörden berichten jedenfalls stolz, dass es die erste Ampel ihrer Art weltweit sei. Stopp! Rot! Im superreichen und kamelverrückten Emirat Dubai gibt es schon seit gut 20 Jahren Kamelampeln, übrigens auch eine Kamelrennbahn und Kamelverkehrsschilder. Aber wie heißt es noch mal sinngemäß in der Bibel: Eher geht ein Kamel durch ein Verkehrsnadelöhr als ein Reicher in das Reich Gottes. Bei solch diffizilen Vorfahrtsfragen hilft eine Kamelampel ganz bestimmt.

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