SZ-Kolumne "Bester Dinge":Feuer für die Kehle

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(Foto: Hangar 1)

Die verheerenden Waldbrände in Kalifornien haben die dortigen Trauben ungenießbar gemacht. Aber wer sagt denn, dass man daraus nur Wein herstellen kann?

Von Alexander Menden

Es gibt Situationen, in denen der Begriff "Silberstreif am Horizont" wie Hohn klingt. Dem Ahrtal-Hochwasser im vergangenen Sommer etwas Gutes abzugewinnen, schien zum Beispiel so ziemlich unmöglich zu sein. Aber bekanntlich gibt es immerhin den "Flutwein": Flaschen mit Spätburgunder, Riesling, Sekt, die in den Winzerläden überspült und großenteils ihrer Etiketten beraubt worden waren. Sie wurden versteigert und "originalverschlammt" verschickt, eine Rarität, deren Erlös zum Wiederaufbau der verwüsteten Region beitragen wird.

Ein ähnliches Naturkatastrophenproblem hatten die Winzerkollegen in Kalifornien: Die mittlerweile dort alljährlich ausbrechenden Waldbrände wüteten 2020 besonders schlimm. Rauch und Asche senkten sich auf die Merlot- und Malbec-Trauben im Napa Valley herab. Der Versuch, daraus Wein zu keltern, scheiterte, denn das Ergebnis war schwefelig und ungenießbar. Statt den bereits vergorenen Saft als Totalverlust zu entsorgen, kam die Crimson Wine Group auf die Idee, daraus ein anderes Getränk zu brennen. Ergebnis ist der achtzigprozentige "Smoke Point Vodka".

Rauchig wie ein schottischer Islay-Malt schmeckt er zwar nicht, hat dem Vernehmen nach aber Noten von Anis und Vanille und laut dem Verkoster der New York Times "einen würzigen Geschmack, der über das typisch neutrale Profil dieser Spirituose hinausgeht". Der Erlös aus dem Verkauf geht an die Stiftung "California Fire Foundation", die Familien im Einsatz umgekommener Feuerwehrleute und andere Brandgeschädigte unterstützt. Im Ahrtal wie im Napa Valley hat sich das abgedroschene Sprichwort also mal ein bisschen bewahrheitet: Wenn dir das Leben nichts als Zitronen schenkt, mach Limonade daraus.

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