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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Fingerzeig der Geschichte

(Foto: Alessandra Tarantino/AP)

Nach Jahrhunderten der Trennung hat Kaiser Konstantin seinen Lieblingsfinger wieder.

Von Violetta Simon

Der Zeigefinger eignet sich hervorragend dazu, auf Leute zu zeigen. Vor allem aber bereichert er die zwischenmenschliche Kommunikation, und das ohne ein Wort. Ausgestreckt nach oben sagt er: "Jetzt pass mal gut auf!" Kippt er hin und her, wird aus dem moralischen ein neckischer Dudu-Finger. Er ist derart flexibel, dass er einem in einem Moment den Vogel zeigt, im nächsten den Mund verbietet.

Man kann sich also vorstellen, wie sehr der gute alte Kaiser Konstantin den Finger vermisst haben mag. Laut dem Museumsdirektor der Kapitolinischen Museen in Rom war dieser Finger der ursprünglich zwölf Meter hohen Bronzestatue 1584 - gemeinsam mit einem halben Mittelfinger und Teilen der Handfläche - abhandengekommen. Spurlos verschwunden sozusagen. 300 Jahre später wurde er von einem Kunstsammler veruntreut, tauchte 1913 im Louvre wieder auf, wurde zunächst als Zeh deklariert und erst 2018 als verschollener Zeigefinger erkannt.

Konstantin, oder zumindest das, was übrig ist von der römischen Bronzeskulptur, fristete in all den Jahrhunderten ein Dasein unter seinem Niveau. Angegafft von Museumsbesuchern, blieb ihm nichts übrig, als zurückzugaffen.

Zweifellos dürfte der römische Kaiser überglücklich sein, dass der Lieblingsfinger, generalüberholt und fest montiert, wieder auf seiner Hand sitzt. Am meisten dürfte er sich gefreut haben, dass es sich nicht nur um einen Zeh handelt. Oder gar den plumpen Mittelfinger. Der ist schließlich so was von einsilbig.

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