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Kairo:Entweder abnehmen - oder der Job ist futsch

Die Moderatorin Khadiga Khattab wurde suspendiert, weil die Senderverantwortlichen sie für zu dick halten.

(Foto: Quelle: Youtube)
  • Die Senderchefin begründet die Maßnahme mit einem neuen Image.
  • Schaffen es die Männer und Frauen innerhalb eines festgelegten Zeitraums nicht, Gewicht zu verlieren, drohen ihnen Konsequenzen.
  • Acht Moderatorinnen wurde bereits Kameraverbot erteilt: Das ägyptische Staatsfernsehen hat einen Teil seiner Moderatoren eine Diät verordnet.

Um sein schlechtes Image aufzupolieren, hat Ägyptens Staatsfernsehen übergewichtigen Moderatoren eine Diät verordnet. Diese hätten drei Monate Zeit, um abzunehmen, sagte der Regional-Direktor des staatlichen ägyptischen Fernsehens und Radios, Hani Dschaafar, der Zeitung Masry al-Youm.

"Etwa 90 Prozent der männlichen und weiblichen Moderatoren sind übergewichtig", erklärte er. Eine Kommission solle nach Ende der Frist unter anderem deren Gewicht und Kleidung bewerten. "Jeder, der als ungeeignet angesehen wird, wird auf eine Stelle versetzt, die nichts mit Präsentation zu tun hat", sagte Dschaafar.

Um "das schöne Bild all unserer TV-Sender wiederherzustellen"

Erst in den vergangenen Tagen hatten ägyptische Medien berichtet, das Staatsfernsehen habe acht Moderatorinnen für einen Monat vom Bildschirm genommen. Sie dürften erst dann wieder auf Sendung gehen, wenn sie ausreichend Gewicht verloren hätten. Das bestätigte die Chefin der Rundfunkgesellschaft Ägyptische Radio- und Fernsehunion, Safaa Hegasy, der Nachrichtenagentur AFP.

Dies sei ein erster Schritt, um die gesunkenen Einschaltquoten wieder nach oben zu treiben, schrieb die staatliche Zeitung Al-Ahram. Und auch der erste Schritt eines Plans, Disziplin und Reformen anzustoßen, um "das schöne Bild all unserer TV-Sender wiederherzustellen".

Vorwürfe von Menschen- und Frauenrechtsbewegungen, die Frauen würden diskriminiert, wies Hegasy zurück. "Wie kann es in einer Institution mit einer Frau an der Spitze Diskriminierungen gegen Frauen geben", sagte sie. Vielmehr sei das Kameraverbot Teil eines Projekts zur "Weiterentwicklung von Form und Inhalt des Rundfunks". Indirekt warf Hegasy den betroffenen Moderatorinnen vor, erst seit ihrer Anstellung zugenommen zu haben.

Das sagen die betroffenen Moderatorinnen

Khadiga Khattab, eine der betroffenen Moderatorinnen, sagte im Interview mit einem privaten Fernsehsender, dass denjenigen "mit Maßnahmen gedroht worden" sei, die es nicht schaffen, bis Mitte September an Gewicht zu verlieren. Das berichtete auch die New York Times. Die Moderatorin glaubt aber auch, dass die Gewichtsdebatte nur ein Vorwand des Senders ist, sie und ihre Kolleginnen loszuwerden, um sie gegen jüngere Männer und Frauen auszutauschen.

Seit 20 Jahren arbeitet Khattab für den Sender. Bis vor kurzem moderierte Khattab eine halbstündige Sendung freitags um 21 Uhr, die sich mit den kulturellen und sozialen Ereignissen der Woche beschäftigt und Gäste einlädt. "Mein Aussehen geht nur mich etwas an, nicht den Sender. Ich bin eine natürliche ägyptische Frau. Niemand sollte einen Moderator nur nach seinem Aussehen beurteilen."

Ihre Kollegin Chadidscha Chattab spricht von Rufmord. Die Entscheidung über die Medien zu veröffentlichen, komme einer "Diffamierung" der betroffenen Moderatorinnen gleich, sagte sie der AFP. "Wir müssen wissen, wer darüber entscheidet, welche Moderatorin kameratauglich ist, und was genau die Kriterien sind."

Dagegen unterstützte der Medienexperte Sami Abdel Asis die Entscheidung. Das Aussehen einer Moderatorin spiele eine große Rolle, sagte er der Zeitung Al-Ahram. Wirke sie fit, komme dies auf dem Bildschirm als "spritzig und dynamisch" rüber.

© SZ.de/dpa/jana/anri

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