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EuGH:Airlines haften für umgekippten Kaffee im Flugzeug

Niki stellt Flugbetrieb ab sofort ein

Ein Passagierflugzeug der mittlerweile insolventen Fluggesellschaft Niki

(Foto: dpa)
  • Die Klägerin erlitt Verbrennungen zweiten Grades auf etwa zwei bis vier Prozent der Körperoberfläche.
  • Die Fluggesellschaft muss haften, obwohl der Unfall nicht mit einem flugspezifischen Risiko zusammenhängt, urteilte der EuGH.

Flugreisende haben nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) bei Verbrühungen durch im Flugzeug umgekippten heißen Kaffee Anspruch auf Entschädigung. Fluggesellschaften müssten haften, wenn Passagiere einen Schaden nicht selbst verursacht hätten, befanden die Richter. Dabei sei es nicht nötig, dass eingetretene Unfälle mit einem flugspezifischen Risiko zusammenhingen.

Hintergrund ist der Fall eines Mädchens, das vor österreichischen Gerichten Schadenersatz verlangt, weil während eines Fluges von Mallorca nach Wien ein auf dem Klapptisch vor ihr abgestellter Kaffee aus ungeklärten Gründen umkippte.

Der Vater des Kindes hatte von der Flugbegleiterin einen deckellosen Becher mit frisch gebrühtem heißen Kaffee entgegengenommen und ihn auf den Klapptisch abgestellt. Als er noch nach Milch fragte, geriet der Becher ins Rutschen, der Kaffee ergoss sich über die Brust seiner Tochter. Sie erlitt dabei Verbrennungen zweiten Grades auf etwa zwei bis vier Prozent der Körperoberfläche. Dabei handelt es sich um mittelschwere Verbrennungen.

Die mittlerweile insolvente Fluggesellschaft Niki hatte argumentiert, dass kein Unfall vorliege, der von der Fluglinie oder ihren Mitarbeitern verursacht wurde. Sie könne nicht haftbar gemacht werden, weil das Ereignis nicht auf einem für die Luftfahrt typischen Risiko beruhe. Die obersten EU-Richter folgten dieser Sichtweise nicht.

© SZ.de/dpa/mkoh/afis
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