Süddeutsche Zeitung

Kältewelle in Russland:Eiszapfen erschlägt Frau

Mehr als 130 Menschen sind in diesem Monat in Russland bereits Opfer der klirrenden Kälte geworden. Doch das allmählich einsetzende Tauwetter birgt ebenfalls Gefahren. So werden abbrechende Eiszapfen zur Bedrohung für Passanten.

Der Frost in Russland hat die Zahl der Kältetoten auf mindestens 137 getrieben - doch das Tauwetter bringt nicht nur Erleichterung. In Sankt Petersburg hat ein herabfallender Eiszapfen eine 44-jährige Frau erschlagen.

Wie die Agentur Interfax meldete, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung. Bei zwei ähnlichen Vorfällen in der Touristenmetropole wurden zwei Menschen schwer verletzt.

In Russland herrschte seit Mitte Dezember eine gefährliche Eiseskälte. In der Region um die Hauptstadt sanken die Temperaturen auf bis zu minus 30 Grad, im Osten Sibiriens wurde es sogar fast minus 60 Grad kalt.

Der Chef des Wetterdienstes, Roman Wilfand, sagte, Russland habe 2012 mehr Naturphänomene wie schweren Frost, Dürre und Überschwemmungen erlebt als je in einem Jahr zuvor.

In der Ukraine wurden bis zum zweiten Weihnachtsfeiertag mehr als 80 Todesopfer gezählt, in Polen fast 60. In Westeuropa feierten die Menschen vielerorts das wärmste Weihnachtsfest seit Jahrzehnten. Der Klimaphysiker Tim Palmer von der Universität Oxford führte die Wetterextreme auf den Jetstream der nördlichen Hemisphäre zurück, ein Luftstrom in sechs bis 15 Kilometern Höhe, dessen Schwankungen derzeit besonders stark sind.

Dieser Jetstream bringt kalte Luft aus dem hohen Norden nach Russland und warme Luft in den Süden Frankreichs und die Nachbarländer. Die Frage, ob dieses Phänomen Ausdruck des Klimawandels sei, ist nach Palmers Worten derzeit noch nicht wissenschaftlich geklärt.

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