Kachelmann-Prozess: Gutachter Mattern:"Ich merkte, da kann ich nicht weitermachen"

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Die Einwände Brinkmanns und weiterer, von der Verteidigung aufgebotener Sachverständiger nahm Rainer Mattern zum Anlass, nun auch seinerseits diverse Versuche anzustellen und sein Gutachten zu ergänzen. Er habe Claudia D. am 12. November 2010 zu einer weiteren Untersuchung gebeten und sie dabei auch überredet, sich das angebliche Tatmesser noch einmal an den Hals drücken zu lassen, berichtete Mattern. Sie sei dabei sofort in Tränen ausgebrochen und habe zu zittern begonnen. "Ich merkte, da kann ich nicht weitermachen", sagte Mattern. Seine Versuche hätten aber ergeben, dass die Verletzung durchaus durch die angebliche Tatwaffe verursacht worden sein könne, allerdings nur durch den Messerrücken, nicht durch die Schneide. Dass die Verletzung durch Kratzen mit den Fingernägeln entstanden sei, schloss Matern aus.

Jörg Kachelmann Prozess

Steht in Mannheim vor Gericht: Meteorologe Jörg Kachelmann.

(Foto: REUTERS)

Ebenso unentschieden blieb Matern hinsichtlich der Hämatome an den Oberschenkeln. Dass verschiedene Ausbuchtungen vom Abdruck der Fingerknöchel bei einem Faustschlag herrühren, sei möglich, aber nicht zwingend, sagte der Sachverständige. Die unregelmäßige Ausprägung des Unterhautfettgewebes könne auch dann zu solchen Ausbuchtungen führen, wenn die Verletzung durch einen glattrandigen Gegenstand verursacht wurde. "Wenn es allerdings Faustschläge waren, dann muss sie schon gewaltig zugeschlagen haben", sagte Mattern.

Man könne sich auch vorstellen, dass die zusammengepressten Beine mit einem Knie auseinandergedrückt wurden. Das Kniegelenk weise seitlich verschiedene Erhebungen auf, die durchaus solche unregelmäßig geformten Blutergüsse verursachen könnten. Diese Variante habe er sogar mit seiner eigenen Ehefrau erprobt, allerdings nicht mit solchem Nachdruck, dass dabei Hämatome entstanden wären. "Alle möglichen Dinge sind denkbar. Ich kann weder das eine noch das andere beweisen", fasste Mattern zusammen.

Den Aussagen des Gerichtsmediziners kommt erhebliche Bedeutung in diesem Prozess zu, weil sie neben den DNS-Untersuchungen der angeblichen Tatwaffe die einzigen objektiven Anhaltspunkte für die angebliche Vergewaltigung liefern könnten. Die Analyse der DNS-Spuren an dem Messer hatte Kachelmann eher entlastet. Weder fanden sich am Messergriff eindeutige DNS-Spuren Kachelmanns, noch gab es am Messerrücken DNS-Spuren der Nebenklägerin.

Dem Gutachten Matterns schloss sich eine außerordentlich akribische Befragung durch das Gericht und die anderen Prozessbeteiligten an, die sich voraussichtlich noch weit in den nächsten Verhandlungstag erstrecken wird. Ein Ende des Prozesses, der vorerst bis März terminiert ist, ist noch nicht abzusehen.

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