Koreanische Welle:Unni, Oppa und der hotte Trot

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(Foto: Collage: Jessy Asmus)

An der Entertainment-Supermacht Südkorea kommt man gerade kaum vorbei. Zeit, sich die Landessprache ein bisschen genauer anzuschauen. Fightiiing!

Von Thomas Hahn

Die Koreanisierung der Welt schreitet unaufhaltsam voran. Diese Woche meldete der Streaming-Dienst Netflix, dass die Survival-Serie "Squid Game" von Regisseur Hwang Dong-hyuk in 111 Millionen Haushalten weltweit gesehen worden sei - Rekord. Der Handelsverband Kita meldete, dass Südkoreas Cartoon-Exporte 2020 um 40 Prozent gestiegen seien. Und der nächste K-Pop-Welterfolg ist sicher schon in Arbeit.

Keine Frage: Wer in Zukunft beim Musik- und Serienkonsum mithalten will, sollte Koreanisch können. Und es kann nicht schaden, wenn die Annäherung an die kommende Weltsprache mit einigen der 26 Vokabeln beginnt, die das ehrwürdige Oxford English Dictionary (OED) kürzlich in seinen Wortschatz aufgenommen hat. Auch wenn diese Auswahl noch nicht ganz reichen wird für Grundsatzdebatten mit Menschen aus der Entertainment-Supermacht, lässt sich daraus doch einiges lernen.

aegyo. Führt den Koreafreund gleich in die vielfältigen Begriffswelten des Landes. Das OED beschreibt aegyo erstens als den süßlichen Charme, der besonders koreanischen Popstars zugeschrieben wird. Zweitens als süßliches Verhalten. Und Menschen aus Korea verstehen unter aegyo zudem das süßliche Verhalten, welches jüngere Personen anwenden, wenn sie von ihren älteren Partnern, Verwandten oder Vorgesetzten etwas haben wollen.

banchan. Gemüsebeilage zum Reis. Steht in der langen Reihe von koreanischen OED-Zugängen aus dem Themenbereich Essen. Mit den landestypischen Gerichten verbinden viele in Südkorea Heimatgefühl, Nahrungsaufnahme ist soziales Ereignis und ein Symbol für den Wohlstand, der nicht selbstverständlich ist; Südkoreas Geschichte begann nach dem Korea-Krieg mit bitterer Armut. Es liegt nahe, dass das OED nationale Gerichte wie die Kimchi-Variation dongchimi oder die Glasnudel-Pfanne japchae aufgenommen hat. Einheimische Fleischesser werden den Eintrag samgyeopsal wichtig finden. Sie lieben die dünnen Schweinebauchscheiben für den Tischgrill auch deshalb, weil Schweinefleisch nicht so teuer ist. Etymologisch interessant, für Anhänger deftiger Kost vielleicht sogar inspirierend, ist außerdem der Begriff chimaek. Er entstand aus den Wörtern chicken (Englisch für Huhn) und maekju (Koreanisch für Bier) sowie der Erkenntnis, das chicken gut mit maekju geht. Wenn Koreaner sagen "Lasst uns chimaek gehen", heißt das, sie wollen in einer geeigneten Gaststätte Huhn und Bier zu sich nehmen.

daebak. Wertender Ausruf. Oft genutzt. Als daebak werden meistens Ereignisse, Situationen oder Gegenstände qualifiziert, die besonders gefallen. Die deutsche Entsprechung für daebak ist: geil!

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(Foto: Collage: Jessy Asmus)

fighting! Nicht gerade ein gutes altes koreanisches Wort. Allerdings spricht man es in Korea anders aus als im Englischen, nämlich fightiiing mit langem i. Und zu dem Ausdruck gehört im Grunde immer ein Ausrufezeichen. Auf Deutsch hieße fighting: Auf geht's!

hallyu. Grund dafür, dass süddeutsche Tageszeitungen mittlerweile versuchen, koreanische Begriffe wie -> aegyo oder -> chimaek zu erklären. Südkorea, diesen bergigen Landzipfel im Pazifik, mag man auf der Weltkarte leicht übersehen. Trotzdem schauen alle hin, weil man nirgends mit so viel Konsequenz, Kreativität und Geschäftsinstinkt den Mainstream bedient. K-Pop, K-Drama, K-Food, K-Beauty faszinieren die Welt. Das ist hallyu. Die koreanische Welle. Das gewachsene Interesse an einem Land mit großer Traumfabrik-Dichte.

hanbok. Südkoreanische Tracht. Tragen Südkoreanerinnen und Südkoreaner selten, aber zum Beispiel gerne am Feiertag Chuseok oder bei traditionellen Hochzeiten. Oder zum Spaß, um sich darin fotografieren zu lassen. Frauen haben bunte Kostüme mit langen Röcken, Männer weite Hosen, kurze Jacke, bisweilen auch Mantel und einen breitkrempigen Hut. Praktisch ist das nicht, macht aber ordentlich was her.

hangul. Koreanisches Alphabet. 575 Jahre alt, sozusagen ein Jungspund unter den Alphabeten dieser Welt. Deshalb ist es bei weitem klarer als die uralten chinesischen Schriftzeichen oder die japanische Schrift. Hangul, eine Erfindung des Korea-Königs Sejong, hat 24 Buchstaben. 14 für Konsonanten, zehn für Vokale. Daraus werden die Silben der Wörter gebaut. Beispiel? Das unterschätzte koreanische Wort kokkiri, Elefant, das leider nicht ins OED aufgenommen wurde: Aus ㅋ (kh) und ㅗ (o) wird 코 aus dem doppelten ㄱ (ke) undㅣ(i) wird 끼 und aus ㄹ (l, klingt für deutsche Ohren wie r) undㅣ(i) wird 리. Ergibt zusammen 코끼리 - Kokkiri. Alles klar?

K-Drama. Selbsterklärend. Allerdings bezeichnet man tatsächlich in erster Linie TV-Serien als K-Drama. Nicht unbedingt Kinofilme. "Squid Game" ist also ein K-Drama. Aber "Parasite", 2020 als erster nicht englischer Beitrag mit dem Oscar als bester Film ausgezeichnet, eigentlich nicht. K-Dramen treffen oft auch eher den Massengeschmack. Auf die bissige Gesellschaftskomödie "Parasite" von Regisseur Bong Joon-ho war man in Korea zwar sehr stolz. Aber ganz verstanden haben viele K-Drama-Fans den Erfolg nicht.

kimbap. Koreanischer Snack. Gekochter Reis mit diversen Zutaten in Algenpapier gewickelt. Sieht aus wie Sushi. Schmeckt für Ausländer vielleicht so ähnlich wie Sushi. Ist aber kein Sushi. In Sushi ist Essig, in Kimbap nicht. Außerdem ist Sushi japanisch. Auf den Unterschied legt man in Korea Wert.

mukbang. Internet-Trend. Koreanische Menschen verzehren große Mengen an Essen, etwa -> japchae oder -> samgyeopsal, filmen sich dabei und stellen die Videos ins Internet. Andere Menschen aus Korea finden das so -> daebak, dass sie sich das in speziellen Streamingdiensten anschauen. Warum? Anscheinend liegt es am komplizierten Verhältnis der Koreanerinnen und Koreaner zum Essen. Man tut es sehr gerne, ist auf der anderen Seite aber auch sehr figurbewusst. Also beruhigen manche ihr Verlangen, indem sie anderen beim Essen zuschauen. Vor allem nachts, wenn der knurrende Magen den Schlaf stört.

oppa. Anrede. Respekt- bis liebevoll. Mädchen oder junge Frauen nennen ihren älteren Bruder, Freund oder Lebenspartner Oppa. Ein Oppa kann auch ein attraktiver Mann aus dem Showgeschäft sein. Oppa ist nicht zu verwechseln mit dem deutschen Opa.

unni. Anrede. Respekt- bis liebevoll. Mädchen oder junge Frauen nennen ihre ältere Schwester, Freundin oder Lebenspartnerin Unni. Eine Unni kann auch eine attraktive Frau aus dem Showgeschäft sein. Unni ist nicht zu verwechseln mit der deutschen Uni.

trot. Koreanischer Schlager. Sehr emotionaler Gesang zu einfachen Melodien. Nach Jahren des Spotts hat das Genre wieder viele Fans, passend zu dem Umstand, dass Südkorea so schnell altert, dass es bald Japan als älteste Gesellschaft der Welt überholen dürfte. Die Nachrichtenagentur Reuters titelte vergangenes Jahr: Trot is hot. Für die K-Pop-Klientel ist Trot möglicherweise etwas schwer zu ertragen. Aber es müssen ja nicht alle das Gleiche mögen.

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