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Verunglückter Junge in Spanien:Warten auf den Durchbruch

Mitglieder der spanischen Guardia Civil bewachen das die Stelle, an der nach Julen gegraben wird.

(Foto: AFP)
  • Erneut verzögert sich im spanischen Totalán der Durchbruch der Helfer zu der Stelle, an der der kleine Julen vermutet wird.
  • Der Zweijährige war vor zehn Tagen in einen 110 Meter tiefen Schacht gefallen.
  • Ein deutscher Experte für die Entwicklung der eingesetzten Bohrgeräte zweifelt an der Arbeitsweise der spanischen Helfer.

Die Stahlverkleidung für den Rettungsschacht baumelt am Mittwochnachmittag immer noch an dem riesigen Kran. Längst hätten die tonnenschweren Rohre in den Unglücksberg nahe der südspanischen Ortschaft Totalán versenkt werden sollen. Dort wird in über 70 Metern Tiefe ein zweijähriger Junge vermutet. Das Kind namens Julen war bereits am 13. Januar in ein schmales Bohrloch abgerutscht. Seitdem sind bis zu 300 Helfer Tag und Nacht im Einsatz. Doch schon wieder gab es Verzögerungen. Kleinlaut hatten die Verantwortlichen am Abend zuvor einräumen müssen, dass die Bohrung nicht exakt vertikal verlief. Stundenlang wurde nachgebessert.

Die Abweichung hätte mit anderem Gerät wohl verhindert werden können. Der deutsche Maschinenbauer Philip Porten verfolgt die Rettung aus der Ferne. Er ist Projektleiter bei einem deutschen Hersteller für die Entwicklung genau solcher Bohrgeräte, wie sie in Totalán im Einsatz sind. "Es gibt Maschinen, die geeigneter sind als die Mait HR 260, die dort verwendet wird. Aber natürlich ist das immer auch eine Frage der schnellen Verfügbarkeit", sagt Porten.

Die Zahl der deutlich leistungsfähigeren Geräte, die wesentlich schneller und präziser bohren als das Modell vor Ort, schätzt er auf 300 bis 400 "in ganz Europa von Spanien bis zur Ukraine". Abbau, Verladung, Transport und Wiederaufbau solcher Maschinen, die 120 Tonnen oder mehr wiegen, hätte mit einem eingespielten Team mindestens drei Tage verschlungen. Das jetzt verwendete Gerät war allerdings auch erst fünf Tage nach dem Sturz des Jungen am Unglücksort. Dabei wird zurzeit nur zehn Autostunden von Totalán entfernt eine dieser leistungsstarken Maschinen verwendet, wie ein Bauunternehmer bestätigt. Angefordert wurde sie nicht.

Den Eltern bleiben all diese vertanen Möglichkeiten nicht mehr verborgen und lasten zunehmend auf ihrer Seele. Francisca Ruíz ist eine der Psychologinnen, die immer zu zweit rund um die Uhr bei der Familie sind, genauso wie einige Freunde und Angehörige. Ruíz empfängt Gäste in ihrem Büro im Zentrum der 20 Kilometer entfernten Provinzhauptstadt Málaga. "Die ganze Situation ist sehr ungewiss. Es geht darum, die Emotionen auf angemessene Art zu kanalisieren. Wir versuchen, die Emotionen der Eltern herunterzuschrauben", sagt sie.

Es ist auch für die Psychologinnen ein hartes Terrain. Auch sie wissen nicht, ob das Kind noch lebt. Machen sie den Eltern überhaupt noch Hoffnung, oder bereitet man sie auf den möglichen Tod des Jungen vor? "Wir arbeiten mit den Information, die uns die Techniker geben. Die leiten wir weiter an die Eltern und helfen ihnen, mit der Realität umzugehen." Mit dem möglichen Tod des Kindes würde eine neue Phase der Betreuung beginnen. Doch so weit will Ruíz momentan noch nicht denken. "Wir unterstützen die Eltern, damit sie einigermaßen ihre Fassung bewahren und sich und ihre Gefühle kontrollieren können, solange die Rettungsaktion andauert."

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