Joshua Kushner:Was hätte Kennedy von den Kushners gehalten?

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Vor der Wahl erklärte er dem Magazin Esquire, dass er Jared liebe und nichts sagen wolle, was diesen in Verlegenheit bringen könnte. Er sei jedoch ein überzeugter Demokrat und werde nicht für Trump stimmen. Tatsächlich wurde Joshua Kushner am Samstag nach der Vereidigung des neuen Präsidenten beim Women's March in Washington fotografiert. Auf Nachfrage sagte er, er sei lediglich als Beobachter da, nicht als Teilnehmer. Noch am gleichen Wochenende postete er selbst ein Foto bei Instagram: Es zeigt ihn und seinen Bruder Jared im Weißen Haus vor einem Porträt von John F. Kennedy. Beide Brüder sollen den ermordeten amerikanischen Ex-Präsidenten sehr bewundern.

Was Kennedy von den Kushners gehalten hätte? Auf dem Gemälde blickt er jedenfalls mit verschränkten Armen zu Boden - Joshua Kushner, der sonst ein gutes Auge für Bildkomposition hat, scheint die Symbolik in diesem Fall entgangen zu sein.

Dem Magazin Forbes sagte Joshua Kushner jüngst: "Es ist kein Geheimnis, dass liberale Werte mein Leben geleitet haben und dass ich Politiker unterstützt habe, die ähnliche Werte teilen. Aber keine politische Partei hat ein Monopol auf die Wahrheit oder auf konstruktive Ideen für unser Land. Es ist wichtig, geistig offen zu bleiben und von abweichenden Meinungen zu lernen." Mancher mag da schon eine intellektuelle Nähe zu Kellyanne Conway und ihren "alternativen Fakten" heraushören. Vielleicht ist das aber auch schlicht die Aussage eines Mannes, der merkt, dass Loyalität als Kitt nicht unendlich strapazierfähig ist. Vor allem im Beruflichen.

Kushners Geschäftspartner ist ein deutscher Harvard-Kumpel

In den vergangenen Wochen musste Kushner Geschäftspartner und Mitarbeiter beschwichtigen. Mit nur 25 Jahren hatte er Thrive Capital gegründet, ein Risikokapital-Unternehmen, das vor allem in Technologie-Start-ups investiert. Firmen also, die an vorderster Front gegen Trumps Einwanderungspolitik protestieren - nicht nur, weil Internationalität dort zur Kultur gehört, sondern auch, weil viele Start-ups dringend auf Spezialisten aus dem Ausland angewiesen sind. "Genauso wie Jared meine Familie ist, fühle ich mich verantwortlich für jeden Einzelnen in meinen Unternehmen", erklärte Kushner dem Forbes-Magazin.

Zu seinen größten Erfolgen gehört ein Investment in jenen Social-Media-Dienst, den er selbst gerne nutzt: Im April 2012 steckte Kushner Geld in die Foto-App Instagram, deren Wert zum Zeitpunkt des Deals auf 500 Millionen US-Dollar geschätzt wurde. Ein paar Tage später wurde Instagram von Facebook aufgekauft - für das Doppelte. Daneben hat Kushner mit Thrive in den Musikdienst Spotify, die Crowdfunding Plattform Kickstarter und die Fitness-App ClassPass investiert, um nur einige zu nennen. Und er betätigt sich als Gründer - wie im Fall der eingangs erwähnten, privaten Krankenversicherung, Oscar Health.

Einer der Geschäftsführer ist Deutscher: der Datenspezialist Mario Schlosser, ein Kumpel von Kushner aus Harvard-Zeiten, mit dem er bereits sein allererstes Unternehmen gegründet hatte. In einem Interview bestätigte Kushner, dass er im Job gerne nach der Prämisse "Hire your smartest friends" verfahre. Ob das reicht, Oscar Health eine langfristige Zukunft zu sichern? Nach der Schlappe im Kongress für Trumps eigenen Gesundheitsplan sind die politischen Unwägbarkeiten im Gesundheitssektor größer denn je.

Erschaffe oder zerstöre. Bruder oder eigene Überzeugung. Möglicherweise muss sich Kushner irgendwann doch entscheiden.

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