SZ-Kolumne "Bester Dinge"Fossiler Blödsinn

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(Foto: Cover-Images/Imago)

Ein 328 Millionen Jahre alter Vampir-Tintenfisch soll nach US-Präsident Joe Biden benannt werden. Muss das wirklich sein?

Von Martin Zips

Damit das mal klar ist: Man kann einen uralten Vampir-Tintenfisch nicht einfach so nach einem US-Präsidenten benennen. Dafür braucht es eine Einwilligung. In diesem Fall die Einwilligung der "International Commission on Zoological Nomenclature" ( ICZN). Aber die Leute dort waren zuletzt schon sehr großzügig. Darum dürfte der 328 Millionen Jahre alte Vampyropode bald vielleicht ganz offiziell Syllipsimopodi bideni ("Greiffuß Biden") heißen. Ein Paläontologe vom New Yorker American Museum of Natural History hat diese Bezeichnung vorgeschlagen.

Das zehnarmige Fossil hatte er in einer Museumsschublade gefunden und festgestellt, dass es noch keinen Namen hat. Der Paläontologe sagte der New York Times, er habe an Joe Biden gedacht, da dieser versprochen habe, die Sache mit dem Klimawandel, dem auch der ein oder andere Tintenfisch noch zum Opfer fallen könnte, zügig anzugehen. Und richtig, Syllipsimopodi bideni ist nicht die erste Tierart, welche nach einem US-Präsidenten benannt wurde. So gibt es auch die Falltürspinne Aptostichus barackobamai und einen Schleichlurch namens Dermophis donaldtrumpi. Es gibt auch die Schwammkugelkäfer Agathidium bushi, Agathidium cheneyi, Agathidium rumsfeldi sowie den blinden braunen Höhlenkäfer Anophthalmus hitleri. Darum an dieser Stelle mal eine kleine Bitte an alle Tierforscher: Hört endlich auf, uns mit Prominentennamen zu nerven.

Nennt gerne weiter Muschelkrebse Colymbosathon ecplecticos ("erstaunliche Schwimmer mit großem Penis") oder Stabschrecken Denhama aussa (Österreichisch für: "Den hauen wir raus"). Aber bitte keine Kaninchenarten mehr, die nach dem Chefredakteur eines Männermagazins benannt werden, oder Schwebfliegen mit den Namen von Microsoft-Gründern. Die Tiere haben doch wirklich schon genug andere Probleme.

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