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Jenny Elvers im NDR-Talk "DAS!":Sie ist ja gerne hier

Jenny Elvers zu Gast in der NDR-Sendung 'DAS!'

Sie ist gerne hier: Jenny Elvers nach ihrem zweiten Auftritt in der NDR-Sendung "DAS!".

(Foto: dpa)

In der NDR-Sendung "DAS!" wurde die Alkoholsucht von Jenny Elvers vor eineinhalb Jahren offensichtlich. Jetzt hat sie auf demselben Sofa Platz genommen. Um abzuschließen, wie sie sagt. Das funktioniert auch - nur nicht für Elvers.

Das Wiedersehen findet zwischen Einspielern zum Hamburger Hafengeburtstag, Großaufnahmen von Mini-Insekten und einer Kochanleitung für Schinken-Spargel-Röllchen statt. Jenny Elvers ist zurück in der NDR-Sendung DAS!, knapp ein Jahr und acht Monate, nachdem sie dort unfreiwillig ihre Alkoholsucht öffentlich gemacht hat. "Wir wollen ganz entspannt besprechen, was damals passiert ist", kündigt Moderatorin Bettina Tietjen an. Man habe schließlich heute die "nötige Distanz" zu den Geschehnissen vom 17. September 2012.

Doch trifft das auch auf ihren Gast zu? Kann sich Jenny Elvers, die nach der Trennung von Goetz Elbertzhagen wieder unter ihrem Mädchennamen firmiert, von ihrer Krankheit so leicht distanzieren wie die Gastgeberin von ihrer damaligen Moderationsleistung?

Sie habe sich nach der Sendung immer wieder gefragt: "Was hätte ich anders machen können?", sagt Tietjen, die das Gespräch 2012 mit einer mal wirr daherredenden, mal hysterisch lachenden und motorisch angeschlagenen Elvers nicht abgebrochen hatte. "Da wäre jeder perplex gewesen", versichert ihr die 41-jährige Schauspielerin nun beim erneuten Besuch, "du hast die Sendung professionell durchgezogen." Absolution am Vorabend, zumindest für eine der Beteiligten.

"Du wirst eh jeden Tag beobachtet"

Für Elvers ist es ungleich schwieriger, mit der Begegnung von damals abzuschließen, vielleicht unmöglich, das wird schnell klar. Einerseits ist sie hierher gekommen, um sich für ihren Auftritt zu entschuldigen, den sie in der Rückschau als "hochpeinlich" empfindet. Die Scham sei sehr groß, "es ist ganz furchtbar zu sehen, wie krank ich war". Elvers, zartrosa Ensemble, zurückhaltendes Make-up, die langen blonden Haare in Wellen, möchte den damaligen Eindruck vergessen machen. Doch gleichzeitig ist sie eingeladen, um genau darüber zu sprechen.

Genesung beweisen, indem sie maximal offen und selbstkritisch ihre Krankheit reflektiert - das ist es, was sie heutzutage versucht. Vielleicht ist es auch das, was die Medien sehen wollen, in denen sich Elvers (wieder) vorwiegend bewegt. Im vergangenen Jahr gewann sie die Promi-Ausgabe des Reality-TV-Formats Big Brother (Sat.1) "Du wirst eh jeden Tag beobachtet", habe ihr der Produzent gesagt, "du hast nichts zu verlieren."

Dabei hat sie auch schon andere Rollen gespielt als sich selbst: Für ihre Darstellung einer alleinerziehenden Mutter im Drama Knallhart von Detlev Buck (2006) bekam sie gute Kritiken, sie spielte Theater, unter anderem die Buhlschaft bei den Berliner Jedermann-Festspielen. Doch das war vor dem Alkoholismus-Outing. Nach dem letzten Besuch bei DAS! sei sie nur noch für Hauptrollen in Serien angefragt worden, erzählt Elvers bei Tietjen, und vermutet, dass sich die Macher durch die Besetzung vor allem Aufmerksamkeit versprochen hätten. "Natürlich würde ich gerne einen tollen Film drehen, aber das kommt noch nicht so", sagt sie. "Ich muss mich noch beweisen."

Elvers kennt die Regeln des medialen Narrativs

Elvers trat als dralle Heidekönigin erstmals in Erscheinung, wurde an der Seite von Schauspieler Heiner Lauterbach bekannt, bekam ein Kind mit einem Big-Brother-Bewohner, heiratete den Medienmanager Goetz Elbertzhagen, vollzog den Wandel zur ernstzunehmen Schauspielerin. Sie ist seit 20 Jahren im Geschäft, sie kennt die Regeln des bevorzugten medialen Narrativs: Aufstieg-Fall-Rehabilitation.

Und so bemüht sie sich bei DAS! nun, die Erwartungen zu erfüllen. Sie erzählt, wie es zum Totalausfall vor laufenden Kameras kommen konnte: In der betreffenden Woche sei sie auf PR-Tour gewesen, habe nicht wie sonst die Verantwortung für Sohn und Haushalt getragen, dafür habe es Abendtermine gegeben - mit Alkohol.

"Direkt vor der Sendung habe ich gar nicht so viel getrunken. Aber ich habe aufgeschüttet und das unterschätzt." Sie zeigt sich dankbar für die Chance, die ihr Sendung eröffnet habe, ja, bedauert sogar, "dass es nicht früher passiert ist." Und sie beteuert, dass sie nach Entzug, Therapie und Trennung ihre Lebensfreude wiedergefunden habe. "Aufstehen, Krönchen richten, weitermachen."

"Keine Abrechnung mit der Medienwelt"

Wie es Elvers allerdings wirklich geht, ist trotz des zur Schau getragenen Lächelns schwer zu beurteilen. Der Druck, das räumt die trockene Alkoholikerin ein, sei groß; die ständige Aufmerksamkeit mache sie nervös. "Ich muss besser sein als alle anderen, der erste Satz muss sitzen." Jeder Versprecher, jedes Stolpern kann ihre Bemühungen zunichte machen. Also versucht sie sich in Selbstironie zu retten. "Ich dachte, ich muss erst mal pusten", sagt sie zu Beginn der Sendung.

Auch damals, als sie noch trank, hat sie nach eigener Aussage - bis auf das eine Mal - funktioniert. "Beruflich macht es 'klick'. Darauf bin ich jahrelang trainiert worden." Das zumindest klingt ehrlich und deutet an, warum sie zurückgekehrt ist in diese Sendung und in dieses Business, das sie vielleicht auch mit krank gemacht hat. Sie schreibe gerade an einem Buch über ihre Erfahrungen, sagt die 41-Jährige: "Keine Abrechnung mit der Medienwelt. Im Gegenteil, ich bin ja gerne hier."