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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Reich durch Walkotze

Pottwal
(Foto: George Karbus Photography / Cultura/mauritius images)

Fischer finden an der Küste von Jemen einen toten Wal - und ahnen zunächst nicht, welcher Schatz sich in seinem Magen versteckt.

Von Titus Arnu

Krakenteile, Fischmatsch, Schmodder: Der Magen eines Pottwals ist bestimmt kein angenehmer Ort. Man muss wohl Jona heißen und sehr viel beten, um es dort drinnen auszuhalten. Die Meeressäuger ernähren sich von Tintenfischen aller Art, und diese haben scharfkantige, schwer verdauliche Kiefer. Ab und zu erbrechen Pottwale deshalb riesige graue Klumpen, die dann im Meer dümpeln. Klingt eklig, ist es auch. Doch der Walauswurf, seit der Antike bekannt als Ambra, ist im getrockneten Zustand extrem wertvoll: Das Schwabbelzeug wird zur Herstellung teurer Parfums benutzt.

Armut, Bürgerkrieg, Mangelernährung: Jemen ist momentan auch kein angenehmer Ort. Das gebeutelte Land zählt zu den ärmsten Regionen der Erde, das durchschnittliche Jahreseinkommen liegt bei 800 Euro. Eine Gruppe von Fischern in der südlichen Provinz Aden ist nun über Nacht reich geworden: Sie fanden 127 Kilogramm Ambra im Bauch eines verendeten Pottwals. Der Preis für ein Kilo Ambra liegt zwischen 10 000 und 33 000 Euro.

Sie seien mehrmals an dem toten Tier vorbeigefahren, ohne es zu beachten, erzählte einer der Finder der Zeitung Middle East Eye. Erst ein geflüchteter Fischer aus Hudeida im Westen Jemens habe erkannt, dass sich in dem Kadaver ein Schatz verbergen könnte. Ein Geschäftsmann aus den Vereinigten Arabischen Emiraten kaufte den Fischern schließlich den Inhalt des Walmagens für rund 1,5 Millionen Dollar ab. Mehrere Familien haben dadurch ausgesorgt, sie können sich vom Erlös Schiffe und Häuser kaufen. Der Rest wurde an Bedürftige im Dorf verteilt. Reichtum durch Walkotze - wenn das mal keine gute Nachricht ist.

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© SZ/moge
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