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Missbrauchsverdacht:Opfer-Anwälte wollen im Fall Epstein weiter klagen

An exterior view of the Metropolitan Correctional Center jail where financier Jeffrey Epstein, who was found dead in the Manhattan borough of New York City, New York

In diesem Gefängnis im New Yorker Stadtteil Manhattan starb Jeffrey Epstein.

(Foto: REUTERS)
  • Nach dem Tod des US-Unternehmers Jeffrey Epstein hoffen seine mutmaßlichen Opfer auf weitere Ermittlungen.
  • Etliche Frauen werfen Epstein vor, sie als junge Mädchen sexuell missbraucht zu haben. Er soll zudem einen illegalen Sexhandelring aufgebaut haben.
  • Epstein war am Samstag bewusstlos in seiner New Yorker Gefängniszelle entdeckt und später für tot erklärt worden; er tötete sich offenbar selbst. Das FBI ermittelt.

Die mutmaßlichen Opfer von Jeffrey Epstein wollen auch nach dessen mutmaßlichem Suizid weiter um Gerechtigkeit kämpfen. Das teilten mehrere Anwälte mit. Am Samstag war bekannt geworden, dass der Multimillionär Epstein im Gefängnis gestorben war, offenbar durch Selbsttötung. Er saß wegen des Verdachts auf den Missbrauch Minderjähriger in Haft. Epstein soll von 2002 bis 2005 Dutzende junge Mädchen selbst missbraucht, aber auch an andere mutmaßliche Täter vermittelt haben. Im Zuge der Ermittlungen weitete sich der Verdacht noch aus.

"Epstein ist weg, aber Gerechtigkeit muss trotzdem hergestellt werden", sagte Jennifer Araoz, eines der mutmaßlichen Opfer. Sie wirft Epstein vor, sie als 15-jährige Schülerin in New York vergewaltigt zu haben. "Wir müssen mit den Narben seiner Taten für den Rest unseres Lebens klarkommen, aber er wird nie die Konsequenzen seiner Verbrechen spüren."

"Jeffrey Epsteins Opfer wurden wieder einmal um die Gelegenheit betrogen, Gerechtigkeit herzustellen", sagte Jack Scarola, ein Anwalt aus Florida, der fünf mutmaßliche Opfer vertritt. Mit seinem Tod seien wichtige Informationen zu möglichen Verbrechen für immer verloren, sagte Scarola. Mehrere Anwälte sagten aber auch, dass die Frauen nun gegen Epsteins Erben und mögliche Helfer vorgehen könnten, um entschädigt zu werden. Josh Schiller etwa, dessen Kanzlei neun mutmaßliche Opfer vertritt, sagte, es sei möglich, dass "andere, die sich dazu verschworen haben, Epstein zu schützen, Beweise zu zerstören, Zeugen zu bezahlen oder auf andere Art und Weise den Mädchenhandel und pädophilen Missbrauch zu unterstützen", vor Gericht gebracht würden. Die Opferanwältin Lisa Bloom appellierte mit Blick auf anstehende Schmerzensgeldklagen an Epsteins Nachlassverwalter, das Vermögen des Finanzberaters einzufrieren. Die Leben der Opfer seien durch dessen sexuelle Übergriffe zerstört worden, schrieb sie auf Twitter, "sie verdienen JETZT volle und faire Kompensation".

Ermittlungen von FBI und Untersuchung im Justizministerium

Epstein war am Samstagmorgen gegen 6.30 Uhr (Ortszeit) nicht ansprechbar in seiner Zelle aufgefunden und später im Krankenhaus für tot erklärt worden. Das FBI hat Ermittlungen aufgenommen. Neben den Untersuchungen der Bundespolizei leitete Justizminister William Barr auch interne Ermittlungen im Ministerium in die Wege. Dabei wird es vermutlich auch darum gehen, wie Epstein allem Anschein nach gleich zweimal versuchen konnte, sich das Leben zu nehmen. Barr hatte sein Entsetzten über den Suizid in Justizgewahrsam bekundet.

Kurz nachdem US-Medien den Tod des Unternehmers vermeldet hatten, begannen am Samstag die Spekulationen über die Umstände. Vor allem in den sozialen Medien kursieren seitdem diverse Verschwörungstheorien darüber, ob Epstein wirklich Suizid begangen habe oder nicht. Für große Empörung sorgte dabei US-Präsident Donald Trump, der einen Tweet des ihm nahestehenden Comedians Terrence Williams retweetete. Williams legte in seinem Tweet nahe, dass Bill Clinton etwas mit dem Tod zu tun gehabt haben soll. Epstein habe "Informationen" über den Ex-Präsidenten gehabt - und nun sei er tot.

Die New Yorker Staatsanwaltschaft hatte im Juli Anklage gegen den Finanzberater und Multimillionär erhoben. Er wird beschuldigt, zwischen 2002 und 2005 mehr als 80 minderjährige Mädchen missbraucht zu haben. Epstein habe in New York und Florida einen illegalen Menschenhandelsring aufgebaut, heißt es in der Anklageschrift. Einige der Mädchen seien erst 14 Jahre alt gewesen und mit großen Summen Bargeld angelockt worden. Epstein drohten bis zu 45 Jahre Haft. Er hatte auf nicht schuldig plädiert.

Anmerkung der Redaktion: Wir gestalten unsere Berichterstattung über Suizide bewusst zurückhaltend und verzichten, wo es möglich ist, auf Details. Wenn Sie sich selbst betroffen fühlen von Suizidgedanken, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge (http://www.telefonseelsorge.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnten.

Kriminalität Die Journalistin, die Jeffrey Epstein überführte

Julie K. Brown vom "Miami Herald"

Die Journalistin, die Jeffrey Epstein überführte

Julie K. Brown hat im Alleingang den Job der amerikanischen Justiz gemacht. Eineinhalb Jahre recherchierte sie, um die Opfer des US-Milliardärs zum Reden zu bringen.   Von Alan Cassidy, Washington