bedeckt München 30°

SZ-Kolumne "Bester Dinge":Weibchen im falschen Federkleid

Fischertukan oder Regenbogentukan Ramphastus sulfuratos beim Schnäbeln Provinz Heredia Costa Ric
(Foto: imago stock&people)

Seit Jahren wartet man im Maruyama-Zoo von Sapporo in Japan auf Nachwuchs beim Tukan-Paar. Passiert ist bislang nichts: Jedes Ei warfen die beiden aus dem Nest. Erst eine DNA-Analyse bringt die Erklärung.

Von Thomas Hahn, Tokio

Toto war eigentlich immer das, was man im Reich der Riesentukane einen ganzen Kerl nennt. Zumindest verhielt das Tier sich so, seit es vor mittlerweile acht Jahren ins Tropenvogelhaus des Maruyama-Zoos von Sapporo, Japan, gekommen war. Toto teilte mit der Käfig-Kollegin Poko das Essen, wie paarungswillige Riesentukan-Männchen das üblicherweise tun. Toto wedelte burschikos mit den Schwanzfedern. Außerdem war Totos riesiger Schnabel noch etwas riesiger als der von Poko. Das Tierpflegepersonal im Maruyama-Zoo hatte keine Zweifel. Das Paar würde lauter prachtvolle kleine Riesentukane produzieren.

2016 kamen die ersten Eier. Aber Toto und Poko trugen sie aus dem Nest. Auch die nächsten Eier behandelten sie wie leblose Steine. Sie brüteten nicht. Nie. Die Menschen im Zoo versuchten alles Mögliche, um die beiden Vögel zu animieren. Größere Nistkästen, besseres Futter, anregendere Umgebung. Nichts half, jedes neue Ei war so unbefruchtet wie das davor. 2020 stellten die Zoo-Menschen eine Kamera auf, um zu sehen, was Toto und Poko eigentlich die ganze Zeit trieben im Nistkasten. Bald darauf folgte eine DNA-Analyse. Jetzt wissen alle, warum kein Nachwuchs kam.

Toto ist kein Männchen. Darauf muss man erst mal kommen, denn Riesentukane kommen ohne äußere Unterschiede zwischen den Geschlechtern aus. "Wir bedauern dieses Ergebnis sehr", teilt der Zoo mit. Aber die Lösung ist da: Wer einen nachweislich männlichen gegen einen nachweislich weiblichen Riesentukan tauschen möchte, kann sich beim Maruyama-Zoo melden.

Mehr gute Nachrichten lesen Sie hier.

© SZ/lot
Zur SZ-Startseite

SZ-Kolumne "Bester Dinge"
:Ansteckende Solarzellen

Solaranlagen haben ganz offensichtlich einen R-Wert von über eins, kaum ist ein Nachbar damit infiziert, steckt er seine ganze Umgebung an. Und das ist gut fürs Klima.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB