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Corona und Sport:Fans der Zukunft

Was tun gegen den coronabedingten Mangel an Fans? Während die Bundesliga auf Pappe setzt, ist man in Japan schon weiter. Und letztlich ist der Ersatz des menschlichen Fans durch Roboter nur konsequent.

Von Alexander Menden

Was tun gegen den coronabedingten Mangel an Fans? Manche Clubs der Fußball-Bundesliga haben versucht, die Leere durch das Aufstellen von lebensgroßen Pappkameraden auszugleichen. Nun lässt sich darüber streiten, ob den Geisterspielen so ihre geisterhafte Atmosphäre genommen wurde. Von zweidimensionalen Fototapetenfans erwartet jedenfalls niemand Choreografien. In Japan, einem Land, das wenig Berührungsängste mit technischen Lösungen hegt, hat ein Baseballklub bereits die nächste Stufe des Ersatzfantums erklommen: Die Fukuoka Softbank Hawks lassen Roboterfans im leeren Stadion tanzen.

Betrachtet man die Show, die ihnen vor dem jüngsten Spiel gegen die Rakuten Eagles einprogrammiert wurde, fallen zunächst die menschenähnlichen Figuren in der zweiten Reihe auf. Offenbar wollen sie das nicht vorhandene Publikum mit aufmunternden Gesten zum Mitmachen animieren. Das erscheint so sinnlos wie eine Ampelanlage in einer entvölkerten Stadt, aber die Roboter selbst sind mit ihren Kindchenschema-Köpfen wenigstens vergleichsweise unbedrohlich.

Viel sinistrer wirken die baufahrzeuggelben Vierbeiner in der ersten Reihe. Sie machen seltsam kreisende Hüftbewegungen und scheinen immer auf dem Sprung zu sein. Spätestens seit in der dystopischen Fernsehserie "Black Mirror" sehr ähnlich aussehende Roboterhunde die Weltherrschaft übernahmen, traut man diesen kopflosen Raubtier-Droiden alles zu, nur nichts Gutes. Da helfen auch die Kappen und Wimpel auf dem Rücken nicht.

Immerhin, die Hawks gewinnen ihr Match mit 4 zu 3; die Seelenlosigkeit der Aufführung aber lässt zur Gewissheit werden, was sich im Verlauf der Geisterspielsaison angedeutet hat: Das Publikum ist für manche Klubs letztlich eine Staffage, die man in guten Zeiten als netten folkloristischen Aspekt gerne mitnimmt - aber es geht auch ohne. Der Ersatz durch Roboter ist also nur konsequent. Sie schmeißen keine Pyros, sie fordern keine Leistung, und nach dem Spiel kann man sie einfach abschalten. Einziges Problem: Ein Stadion mit 50 000 Robotern zu füllen, dürfte selbst das Budget der solventesten Vereine sprengen.

© SZ/afis

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