SZ-Kolumne "Bester Dinge":Mit Schirm und Charme

A woman using an umbrella struggles against a heavy rain and wind caused by Typhoon Faxai in Tokyo
(Foto: Issei Kato/Reuters)

Japan hat das höchste Regenschirm-pro-Kopf-Vorkommen der Welt. Nun hat ein Keramikmaler dort einen Schirm entworfen, der Infektionsschutz und Kunst zugleich ist.

Von Thomas Hahn, Tokio

Die Bedeutung des Regenschirms ist überragend in Japan. Der Klimawandel wird daran nichts ändern, im Gegenteil. Selbst ohne Regen würde der japanische Regenschirm nicht aussterben. Einheimische setzen ihn auch gerne als Sonnenschutz ein.

Japan ist das Land mit dem höchsten Regenschirm-pro-Kopf-Vorkommen der Welt. 3,3 Schirme besitzt jeder Mensch im Inselstaat, 0,9 mehr als der globale Durchschnitt. Die Zahlen sind alt, aber Japan hat den ersten Platz bestimmt nicht abgegeben. Regenschirme kann man hier an fast jeder Ecke kaufen, man kann sie mieten, vor Kaufhäusern in spezielle Tüten stecken, damit sie nicht tropfen, oder in abschließbaren Behältern vor Dieben schützen. Zwar nutzt kaum noch wer den traditionellen Wagasa aus Öl-Papier, die Leute bevorzugen die Wegwerfvariante aus Plastik, die jeder Durchschnitts-Taifun kaputtbläst, trotzdem: Der Regenschirm rockt.

Und nun hat der Keramikmaler Kazuhisa Kusaba ihm eine neue Perspektive verschafft. Wegen Corona konnte Kusaba lange keine Ausstellung abhalten. Also entwarf er seinen eigenen Infektionsschutz mit 60 durchsichtigen Regenschirmen von je 83 Zentimetern Durchmesser. Besucher sollen sie wie eine Art Bannhaube tragen, um den Sicherheitsabstand einzuhalten. Bei Kusabas nächster Ausstellung in Osaka werden sie wieder verteilt. Bei der Premiere in Nagoya waren sie ein Erfolg. Menschen standen mit aufgespannten Schirmen im geschlossenen Raum vor den Bildern. Absurde Kunst. Niemand kam sich zu nahe. Der japanische Regenschirm ist jetzt auch ein Indoor-Gerät.

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