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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Ein Denkmal für den Riesenkalmar

Statue of Squid
(Foto: AFP)

Die japanische Stadt Noto erntet Häme in den sozialen Medien für ihre neue und etwas überdimensionierte Tintenfisch-Skulptur. Andererseits: Wer kannte vorher schon Noto?

Von Thomas Hahn, Tokio

Die Entscheidung für den Riesenkalmar von Noto in Japan fiel schon im Juli 2020. Es war eine Stadtratssitzung wie sonst auch. Sicher nicht so feucht wie jene Versammlung, die der bayerische Menschenfreund Gerhard Polt in seinem lokalpolitischen Bühnen-Klassiker "Gemeinderat" beschrieben hat. 80 halbe Bier und 100 Obstler werden also nicht geflossen sein. Aber es fielen Entscheidungen. Unter anderem sagten die Abgeordneten, jawoll, ganz klar: Der Haushalt werde mit der Pandemie-Hilfe aus Tokio um 558 Millionen Yen, 42 Millionen Euro, aufgestockt. Und diese würden nicht nur gegen Corona eingesetzt, wie der damalige Bürgermeister Kazushige Mochiki erklärte, sondern auch für die Belebung des Tourismus. Insbesondere "für den Bau eines riesigen Tintenfisch-Denkmals".

Eine goldrichtige Idee. Seit März steht die Skulptur aus faserverstärktem Kunststoff. 13 Meter lang, vier Meter hoch. Und plötzlich weiß die ganze Welt, dass die Küstenstadt Noto ein Mekka der Tintenfisch-Fischerei ist. Klar, ausländische Medien berichten auch von der Kritik am Projekt. Einheimische fragen: Braucht es einen Plastik-Riesenkalmar für 25 Millionen Yen Steuergeld?

Aber erstens gibt es auch versöhnliche Stimmen. Zum Beispiel sagte ein Stadtbeamter im Sender FNN: "Ich denke, es ist cool." Zweitens war es nicht verboten, die Corona-Hilfe auch für Sonstiges einzusetzen. Drittens sind schlechte Nachrichten gute Nachrichten. Noto ist jetzt die Stadt mit dem Tintenfisch aus der Pandemie-Stütze. Es ist besser, dieses Image zu haben als gar keines.

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Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels haben wir in der Überschrift fälschlicherweise von einem "Oktopus" gesprochen. Als Vertreter der Achtarmigen Tintenfische kommt der Oktopus jedoch als Namenspate für die Nachbildung dieses Exemplars der Zehnarmigen Tintenfische nicht in Frage.

© SZ/nas/cat
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