SZ-Kolumne "Bester Dinge":Sieben Seiten für die Liebe

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(Foto: Imago/Kyodo News)

Tamotsu Nishihata war jahrzehntelang Analphabet. Bis er in den Ruhestand kam - und seiner Frau einen Liebesbrief schrieb.

Von Thomas Hahn, Tokio

Tamotsu Nishihata aus Nara in Japan heiratete Kyoko, als er 35 Jahre alt war. Aber er erzählte ihr zunächst nichts von seinem Problem. Er hatte in der zweiten Klasse die Schule verlassen, weil er dort gemobbt wurde. Er half im Holzkohle-Geschäft seiner Familie. Lesen und Schreiben lernte er nicht. Oft musste er deshalb den Job wechseln. Er war schon über 30, als ihn endlich jemand anstellte, der Verständnis hatte; es war der Besitzer eines Sushi-Restaurants.

Tamotsu Nishihata hatte Angst, dass Kyoko sich scheiden lassen würde, wenn sie erfuhr, dass er ein Analphabet war. Er wich Situationen aus, in denen er lesen oder schreiben musste. Aber Kyoko kam hinter sein Geheimnis. Fortan schrieb sie für ihn.

Das Japanische hat drei Alphabete und Tausende von Schriftzeichen. Japanische Menschen sind ihre ganze Schulzeit damit beschäftigt, Lesen und Schreiben zu lernen. Trotzdem nahm Tamotsu Nishihata die Herausforderung an, als er mit 64 in den Ruhestand ging. Sieben Jahre später, an Weihnachten 2007, überreichte er Kyoko einen Liebesrief. Sieben Seiten. Selbst geschrieben. Ein Satz lautete: "Wegen deiner Unterstützung bin ich hier."

Kyoko ist 2014 gestorben. Tamotsu ging weiter in die Abendschule. Er ist jetzt 85, und seine Geschichte, welche in der Zeitung Asahi stand, kommt auf die Bühne. Der Kleinkünstler Shofukutei Teppei hat daraus einen Monolog gemacht. Er wird ihn in Tokio und Osaka aufführen. Tamotsu Nishihata hofft, "dass die Leute dadurch verstehen, wie hart es ist, nicht lesen und schreiben zu können".

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