Nach dem schweren Erdbeben im Südwesten Japans steigt die Zahl der Todesopfer weiter. Die Behörden hätten 13 Tote bestätigt, gab Ministerpräsidentin Sanae Takaichi am Tag nach dem Beben in der Präfektur Kumamoto auf Japans südwestlicher Hauptinsel Kyushu bekannt. Möglicherweise seien sogar Dutzende Menschen ums Leben gekommen, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf einen Regierungsbeamten.
Durch das Beben der Stärke 7,1 vom Dienstagnachmittag (Ortszeit) wurden mehrere Gebäude und Straßen in der Region beschädigt, Dutzende Menschen erlitten örtlichen Medienberichten zufolge Verletzungen. Zudem wird noch nach Vermissten gesucht. Die Rettungseinsätze in der Katastrophenregion dauern an – in der Hoffnung, Überlebende unter den Trümmern noch rechtzeitig zu finden.
Der japanische Fernsehsender NHK berichtete zuvor von mindestens 50 Verletzten. Die Regierung schickte Soldaten zur Verstärkung der Rettungskräfte in die Region. Eine vorübergehende Warnung vor einem ein Meter hohen Tsunami wurde wieder aufgehoben. Bis in den späten Abend (Ortszeit) kam es zu mehreren Nachbeben. Die nationale Wetterbehörde warnte auch für die kommenden Tage vor möglichen weiteren starken Erschütterungen in der Region.
Kumamoto war bereits vor zehn Jahren von einem ebenfalls schweren Erdbeben der Stärke 7,3 heimgesucht worden. Dutzende Menschen waren dabei damals ums Leben gekommen. Zehntausende weitere mussten zeitweise in Notunterkünften untergebracht werden.
Beschädigte Häuser und wohl eine Explosion in einem Einkaufszentrum
Zudem gab es schwere Schäden an Gebäuden, darunter an der berühmten Burg von Kumamoto. Laut der Nachrichtenagentur Kyodo wurde infolge des erneuten Bebens ein Teil der Steinmauer der Burg beschädigt, wie auf Aufnahmen zu sehen war. Nach vorläufigen Angaben der Präfekturpolizei stürzten etwa ein Dutzend Häuser ein.

In einem großen Einkaufszentrum in Kumamoto kam es NHK zufolge zudem zu einer Explosion. Auf Luftaufnahmen des Senders waren enorme Schäden an dem Gebäude zu sehen. Derweil suchten Einsatzkräfte weiter nach Vermissten. Den Berichten nach gab es am späten Abend weiter keinen Kontakt zu 20 bis 30 Mitarbeitern. Die Polizei und Feuerwehr prüften daher eilig, ob noch Personen in dem Gebäude eingeschlossen sind. Die Explosion habe sich aus zunächst unbekanntem Grund ereignet, nachdem Mitarbeiter und Kunden nach dem Erdbeben aus dem Einkaufszentrum in der Stadt Kashima in Sicherheit gebracht worden seien, hieß es.
Japan liegt in einer tektonisch aktiven Region
In etwa 48 000 Haushalten fiel der Strom aus. Es gebe aber keine Unregelmäßigkeiten an Atomkraftwerken durch die starken Erschütterungen, berichteten japanische Medien unter Berufung auf die Betreiber. Das Bebenzentrum lag in der Region Kumamoto in einer Tiefe von zehn Kilometern. Auch andere Gebiete wurden erschüttert.
Japan und seine Bewohner haben immer wieder mit den Folgen von Erdbeben zu kämpfen. Der Inselbogen liegt in einer tektonisch äußerst aktiven Region. In den Tiefen der unmittelbaren Umgebung treffen gleich mehrere Erdplatten aufeinander. Sie schieben sich unter- und übereinander, jedes Jahr gibt es deshalb Tausende Beben. Die meisten sind so harmlos, dass man sie gar nicht spürt. Aber manchmal ruckeln die Erdplatten auch so kräftig, dass die Beben an der Oberfläche katastrophale Folgen haben können.

