Rassismus:Eine "halbe Japanerin" wird Schönheitskönigin

Rassismus: Priyanka Yoshikawa, Tochter eines Inders, ist die schönste Japanerin.

Priyanka Yoshikawa, Tochter eines Inders, ist die schönste Japanerin.

(Foto: AFP)

Die neue Miss Japan hat einen indischen Vater. Das missfällt vielen in einer Gesellschaft, die keine Abweichung duldet.

Von Christoph Neidhart, Tokio

Priyanka Yoshikawa ist die neue Miss Japan. Das ist deshalb aufregend, weil sie außerdem nur eine halbe Japanerin ist, eine "Hafu", so sagen sie in Japan. Das Wort steht für das englische "half". Zwar ist die 22-Jährige in Japan geboren und dort auch die meiste Zeit aufgewachsen, aber sie hat einen indischen Vater. Das genügt vielen Japanern, einen Menschen als fremd zu betrachten. "Wenn ich im Ausland bin, werde ich nie gefragt, was für ein Mix ich sei", sagt Yoshikawa, "in Japan ständig."

Besonders in der Schule würden viele Hafu wegen ihrer Hautfarbe geplagt, sagt die 1,76 Meter große Miss Japan, die leidenschaftliche Kickboxerin ist und außerdem gelernt hat, Elefanten zu trainieren. Als Kind sei sie "oft verwirrt" gewesen über ihre Identität, "aber ich habe so lange hier gelebt, ich fühle mich als Japanerin." Für andere Hafu ist Yoshikawa ein wichtiges Signal, gerade weil ihre Vorgängerin auch schon eine Hafu war: Miss Japan 2015 war Ariana Miyamoto, die erste Hafu, die den Miss-Wettbewerb gewann, ihr Vater war ein afroamerikanischer Marinesoldat. In den sozialen Medien wurde Miyamoto damals wegen ihrer dunklen Haut angefeindet. Die Reaktionen auf Priyanka Yoshikawa fallen nun bereits deutlich milder aus.

Zwei Prozent der Japaner gelten als "Hafu"

Hafu sind in Japan eine Minderheit: Zwei Prozent der Kinder in Japan haben einen ausländischen Elternteil. Lange versuchten viele von ihnen, das zu verbergen. Die japanische Gesellschaft duldet keine Abweichung; selbst die Kinder von Diplomaten oder Geschäftsleuten, deren Eltern beide Japaner sind, die aber lange im Ausland zur Schule gingen, werden als "nicht ganz japanisch" diskriminiert. Diese ganz eigene, seltsame Form des Rassismus treibt bisweilen kuriose Blüten: Hafu, die ihr ganzes Leben in Japan verbrachten, werden oft für ihr gutes Japanisch gelobt, und es gibt Lehrer, die sie weniger streng behandeln, weil sie ja keine Japaner seien.

Heute verstecken sich die Kinder gemischter Ehen nicht mehr. In Japans Olympia-Mannschaft in Rio waren zehn Hafu, zwei gewannen Medaillen: Matthew "Mashu" Baker gewann Gold im Judo, der Sprinter Asuka Cambridge, dessen Vater aus Jamaika stammt, mit der 4x100-Meter-Staffel Silber. Einige Japaner reagierten verwirrt, sie fragten: Gehören diese Medaillen Japan? Um sogleich zu versichern, sie hätten nichts gegen Hafu: Sie bewunderten deren Welt- und Sprachgewandtheit. Menschen wie Yoshikawa, die zwei Kulturen in sich haben, wollen sich deshalb nicht mehr Hafu nennen lassen - sondern "Double". Doch diese Idee befremdet die meisten Japaner.

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