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Tierschützer gegen Delfinjäger:Japans Free Willy

Delfinjagd in Taiji

Tierschützer in Japan sind jedes Jahr entsetzt über die Delfinjagd in der Küstenstadt Taiji, hier ein Archivbild aus dem Jahr 2014.

(Foto: dpa)

In der Küstenstadt Taiji hat sich ein Zwergwal in den Netzen von Delfinjägern verfangen. Seine Not lenkt die Aufmerksamkeit auf ein blutiges Business.

Von Thomas Hahn, Tokio

Es ist Delfinjagd-Saison im japanischen Küstenstädtchen Taiji. Auf internationale Medienberichterstattung kann man deshalb gerade gut verzichten im Ort. Denn vor allem in der westlichen Welt kommt das blutige Geschäft, von dem man hier gut lebt, schlecht an; die Tiere werden in eine nicht einsehbare Bucht getrieben, die Schönsten für den Verkauf an Meeresparks und Delfinarien aussortiert, die anderen zum Verzehr geschlachtet. Der oscarprämierte Dokumentarfilm "The Cove" zeigte dieses Vorgehen 2009. Tierschützer sind jedes Jahr aufs Neue entsetzt.

Schlagzeilen vermeiden zu wollen, ist also eine Art Urinteresse in Taiji, aber dieser Tage klappt das wieder nicht. Grund: An Heiligabend hat sich ein Zwergwal in die festen Netze verirrt, welche die örtliche Fischerei-Kooperative einige Hundert Meter vor der Küste etwas abseits des Hafens wie eine Landschaft aus Unterwasserkäfigen ausgelegt hat. Die Netze sind das ganze Jahr über da, sie sind für den Fischfang gedacht. Ab und zu geraten auch Delfine und Wale hinein. Erst vor wenigen Wochen befreiten die Fischer einen Buckelwal. Aber dieses Mal tun sie nichts. Seit über zwei Wochen schwimmt ein Zwergwal nun schon in seiner Falle, stößt mit seinem Kopf gegen die Maschen und kommt nicht frei.

"Es ist schockierend"

Mithilfe einer Drohne hat Ren Yabuki von der Tierschutz-Organisation Life Investigation Agency die verzweifelte Lage des Zwergwals jeden Tag gefilmt. Jetzt gehen die Bilder und Yabukis Zorn um die Welt. "Es ist schockierend, wie egal der Taiji-Fischerei-Kooperative das Leiden dieses Tieres ist", sagt er auf der Webseite der Tierschutz-Organisation Dolphin Project.

Laut der Nachrichtenagentur Kyodo erklären Taijis Fischer, sie können den Wal wegen der schnell steigenden Flut nicht zum Ausgang des Unterwasserkäfigs führen. Die Präfekturverwaltung von Wakayama erklärte am Dienstag, man werde weiter versuchen, den Zwergwal zu befreien. Aber wenn alles so bleibe wie jetzt, müsse man ihn einfangen. Und genau davor haben die Tierschützer Angst. "Sie wollen die Netze nicht entfernen, weil das die Fischerei stören würde und viele Fische entkommen würden", sagt Ren Yabuki im Guardian, "ich habe das Gefühl, dass sie den Wal töten werden." Mit Harpunen, befürchtet er.

Ren Yabuki wird alles mit seiner Kamera im Blick behalten. Aber ob das den Zwergwal schützt? In Taiji mag man zwar keine Negativ-Presse. Allerdings ist man es hier mittlerweile auch gewohnt, im Ausland einen schlechten Ruf zu haben.

© SZ/moge
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