Jacinda Ardern Ein Baby bei den Vereinten Nationen

Jüngster Besucher im Raum: Baby Neve und ihre Eltern Clarke Gayford und Jacinda Ardern bei der UN-Vollversammlung in New York.

(Foto: REUTERS)
  • Die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern hat ihre drei Monate alte Tochter Neve Te Aroha mit in den Saal der UN-Vollversammlung in New York genommen.
  • Ardern ist die zweite Regierungschefin nach Benazir Bhutto in Pakistan, die im Amt ein Kind bekommen hat.

Was ist passiert?

Die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern hat ihre drei Monate alte Tochter Neve Te Aroha mit in den Saal der UN-Vollversammlung in New York genommen. Dort tat die 38-Jährige, was Eltern so tun: Sie hielt ihr Baby in den Armen, küsste es, und ließ es hüpfen, was von den Pressefotografen begeistert dokumentiert wurde. Die UN begrüßten die Anwesenheit des Säuglings. Nur beim Windelwechseln in einem Konferenzraum habe es verwirrte Blicke einiger japanischer UN-Vertreter gegeben, sagte Ardern. Begleitet wurde sie von ihrem Partner Clarke Gayford. Er kümmerte sich um Neve, als seine Frau an der Reihe war, eine Rede zu halten. Außerdem veröffentlichte er auf Twitter ein Foto des höchstoffiziell-hervorgezauberten "UN-Zutrittspasses" von Neve, auf dem steht: "Neuseeland First Baby".

Warum interessiert uns das?

Weil Neve das erste Baby einer Premierministerin ist, das eine UN-Vollversammlung besucht. Und weil Ardern kaum eine Chance ungenutzt lässt, um ein Zeichen in Sachen Frauenrechte und Gleichstellung zu setzen. Ardern ist erst die zweite Regierungschefin nach Benazir Bhutto in Pakistan, die im Amt ein Kind bekommen hat. Kurz nachdem sie 2017 Chefin der neuseeländischen Labour-Partei geworden war, war eine der ersten Fragen, die sie in einem Interview gestellt bekam, die nach der Familienplanung. Zwei Monate später war sie jüngste Premierministerin der Welt und verkündete im Januar 2018, dass sie schwanger sei. "Ich werde Premierministerin UND Mama sein", sagte sie damals.

Drei Tage nach der Geburt stellte sich Ardern mit Partner Clarke Gayford vor die Kameras und verkündete den Namen der Tochter: Neve Te Aroha. Neve ist eine englische Form des irischen Namens Niamh, "hell und strahlend", Te Aroha bedeutet in der Sprache der Maori-Ureinwohner so viel wie Liebe. Die Maori feierten die Namensgebung als wichtiges Signal im Kampf gegen ihre Benachteiligung in der neuseeländischen Gesellschaft. Nach sechs Wochen Babypause kehrte Ardern in ihr Amt zurück, ihr Mann bleibt seitdem zu Hause und kümmert sich um die Tochter. Sie werde die Makel des Elternseins nicht verheimlichen, sagte Ardern damals auf die Frage, was das Land künftig von ihr zu erwarten habe.

Wie fallen die Reaktionen aus?

Wie bei jedem Statement Arderns, bricht auch jetzt wieder die altbekannte Debatte los: Die einen feiern sie für ihre Haltung als Ikone der Frauenbewegung, die deutlich mache, dass Frauen eben arbeiten und Kinder haben können. Die anderen kritisieren, die Premierministerin setze Mütter mit ihrem Verhalten unter Druck, schnell wieder in den Job zurückzukehren. Zumal solche Mütter, die sich im Gegensatz zu ihr nicht rund um die Uhr Kinderbetreuung leisten könnten.

"Mütter sollten überall stillen"

Sophie Power lief einen Ultramarathon - und stillte unterwegs ihr Baby. Ein Gespräch über Selbstbestimmung, Egoismus und was eine gute Mutter ausmacht. Interview von Hannes Vollmuth mehr...