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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Sie ist dann mal weg

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Eine 72-Jährige Italienerin wandert von Venedig nach Peking, auf den Spuren Marco Polos. Nur hat sie dem so manches voraus.

Von Alexander Menden

Weite Reisen waren im 13. Jahrhundert etwas für wenige Mutige. Epidemien, Kriege, Banditen und feindliches Klima machten es höchst unwahrscheinlich, dass man sein Ziel erreichen würde. Dass der berühmteste Reisende des Mittelalters, Marco Polo, irgendwann zwischen 1271 und 1273 nach dreieinhalbjähriger Reise den Hof Kublai Khans erreichte, war daher eine enorme Leistung. Dass er es mehr als 20 Jahre später wieder in die venezianische Heimat zurückschaffte, grenzte an ein Wunder.

Heute ist es deutlich leichter, nach China zu gelangen. Das Schlimmste, was ein Economy-Fluggast zu befürchten hat, sind Venenthrombosen. Das ist Vienna Cammarota aber anscheinend nicht spannend genug, berichtet der Guardian. Am vergangenen Dienstag brach die 72-jährige Italienerin in Venedig zu einer Wanderung auf den Spuren Marco Polos auf, die sie entlang der alten Seidenstraße etwa 22 000 Kilometer weit durch 15 Länder bis nach Peking führen wird.

Die Bedingungen für die "Friedenswanderung" sind erstaunlich ähnlich wie vor rund 700 Jahren: Pandemie, Kriege, Terroristen, Klimawandel. Ein paar Vorteile hat die begeisterte Wanderin aber: Sie ist mit einer Go-Pro-Kamera und einer Smartphone-App ausgestattet, mittels derer ihr Arzt ihren Gesundheitszustand überprüfen kann. Wenn alles gutgeht, wird sie im Dezember 2025 in der chinesischen Hauptstadt ankommen, Signora Cammarota wird dann 75 Jahre alt sein. Von solch einer Lebenserwartung konnten die meisten Zeitgenossen Marco Polos nur träumen - auch jene, die ihr Leben lang brav zu Hause blieben.

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