Verkehr:Italien räumt bei den Wildparkern auf

ITALY An ordinary day of traffic and parking congestion problems Naples Italy December 2009 PUBLI

In vielen italienischen Städten, wie hier in Neapel, gibt es so wenige Parkplätze, dass auch mal kreuz und quer geparkt wird.

(Foto: Angelo Gandolfi; via www.imago-images.de/imago images / Nature Picture Li)

Italienische Autofahrer parken oft, wo Platz ist. Neue Parkplatzkategorien für Schwangere und Eltern von Kleinkindern sollen Abhilfe schaffen. Wer sich nicht an die Regeln hält, dem drohen drastische Strafen.

Von Oliver Meiler, Rom

Es gibt alltägliche Begriffe, die sind so selbsterklärend, dass sie eigentlich keinen Eintrag in die Enzyklopädie bräuchten. Treccani, das italienische Nachschlagewerk für fast alles Wissenswerte, führt "sosta selvaggia" dennoch - seit 2008, als Neologismus. Wobei das "wilde Parken", um das es hier geht, mindestens ein paar Jahrzehnte älter ist. In verkehrschaotischen italienischen Innenstädten ist das Parken auf dem Gehsteig, auf der Busfahrbahn, in zweiter oder gar dritter Reihe, unter dem Parkverbotszeichen, vor der Kirchentreppe und wo auch immer noch ein kleines freies Plätzchen klafft, zuweilen eine schiere Notwendigkeit. Und, klar, eine bodenlose Unziemlichkeit, wie selbst frivole Wildparker einräumen.

Nun will die Regierung von Premier Mario Draghi damit aufräumen: Die Geldstrafen für Fahrer, die ihren Wagen auf reservierte Parkplätze stellen, etwa auf solche für behinderte Menschen, werden ganz drastisch erhöht - bis 672 Euro. So steht es im "Dekret zu den Infrastrukturen", das allerhand Neuerungen in der Verkehrsverordnung bringt. Gleichzeitig führt die Regierung eine neue Kategorie geschützter Parkplätze ein: "Rosa" sind nur für schwangere Frauen und Eltern von Kindern unter zwei.

So werden die Abstellgelegenheiten in Rom und Neapel, in Mailand und Palermo noch etwas knapper. In den meisten Städten Italiens gibt es nur wenige Parkgaragen, und die, die es gibt, sind in aller Regel privat und teuer. Die Misere ist längst erkannt. Da und dort wird deshalb der öffentliche Nahverkehr verbessert, damit viele bald auf Busse, Trams und Metro umsteigen. Doch in der Zwischenzeit bleibt der Mangel: Das Angebot an verfügbaren legalen Parkplätzen liegt geradezu grotesk unter der Nachfrage.

Bisher war es so, dass die Stadtpolizei auch wild geparkte Autos duldete, solange die nicht alles blockierten. Die Grauzone war eine Einschätzungssache, ein stiller Deal zwischen den Beamten und den Fahrern. Im eigenen Stadtviertel kennt man bald jeden halblegalen Parkplatz. Draghi, der gerade im Eiltempo so manches reformiert und revolutioniert im Land, zieht eine Sanktionslinie ein, die einem die Flausen des "Mal schauen" austreibt. 672 Euro!

Nun gibt es da aber eine neue App, die vielleicht die Schlaumeierei in Einklang bringt mit der Wirklichkeit. Erfunden hat sie ein römischer Start-up-Gründer, der wegen eines wild geparkten Wagens vor ein paar Jahren in eine Schlägerei geraten war. Die App heißt Twitcar. Wer sie herunterlädt, erhält einen QR-Code, der lässt sich ausdrucken und auf das Armaturenbrett legen - als Ersatz für den handgeschriebenen Zettel "Bin gleich zurück" oder "Sitze in der Trattoria XY" samt Handynummer. Wenn sich nun jemand um seinen Parkplatz geprellt fühlt oder vom Wagen blockiert wird, kann er den QR-Code einlesen, was auf dem Handy des Wildparkers automatisch einen Hupton auslöst. Alles anonym.

So regelt man das Problem schneller, viel schneller jedenfalls, als wenn man die Polizei ruft. "Twitcar", schreiben die Erfinder, "verbessert deine Lebensqualität, mindert Stress und soziale Spannungen." Und es verführt natürlich zum noch dreisteren Wildparken.

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