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Sardinien:Räumungsbefehl für Italiens Robinson Crusoe

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Hausmeister in Badehosen: Mauro Morandi kenterte vor 32 Jahren mit dem Katamaran vor der Insel Budelli. Und weil es dort so schön war, ließ er sich nieder - und blieb. Bis heute.

(Foto: Enrico Spanu/mauritius images / CuboImages /)

32 Jahre lang lebte Mauro Morandi ganz allein auf der kleinen Mittelmeer-Insel Budelli. Nun muss er sie verlassen, weil der Staat es so will.

Von Oliver Meiler, Rom

Das Paradies verliert seinen Wächter, seinen einzigen Bewohner. Mauro Morandi, 82 Jahre alt, verlässt Budelli. So heißt eine kleine Insel im Archipel von La Maddalena im Norden Sardiniens, nur 1,6 Quadratkilometer groß, feinster rosa Sand. Nicht freiwillig natürlich, aber müde vom Kampf gegen die Behörden. "Ich habe die Nerven verloren", schreibt Morandi auf Facebook, und das will etwas heißen. Er zieht auf die Hauptinsel in eine Mietwohnung mit Sicht aufs Meer am Rand des Ortes, damit er nicht allzu viel Kontakt zu Menschen haben muss. Wäre wohl ein Kulturschock.

In Italien nennen sie ihn "Robinson Crusoe von Budelli". Hager, lederne Haut, rebellische Natur, alle kennen ihn. Er ist eben auch ein wunderbarer Selbstvermarkter.

Morandi kommt ursprünglich aus Modena in Mittelitalien, weit weg vom Meer. Ferien machten sie eher im Podelta. Früher war er Sportlehrer an einer Schule, mit 50 war er schon in Rente. Mit Freunden mietete er einen Katamaran. "Wir wollten nach Polynesien", erzählte er einmal am Telefon. Weit kamen sie aber nicht. Vor Budelli gerieten sie in eine Havarie, das Meer ist halt kein Fluss.

Sein Job? Ausflügler am Sand-Diebstahl hindern

Sie lernten den Aufpasser der Insel kennen, die damals einer Privatfirma gehörte, und der klagte über sein einsames Leben. Im Winter sei es öd und einsam. Im Sommer aber kämen viele Tagesausflügler, sein Job sei es, sie daran zu hindern, den schönen Sand vom Strand zu klauen. In zwei Tagen höre er auf, sagte er. So beschloss Morandi, Polynesien gegen Budelli einzutauschen und zu bleiben.

Auf der Insel gab es nur ein schmuckloses, braunes Haus aus dem Zweiten Weltkrieg, einen militärischen Unterstand. Er baute ihn ohne Genehmigung ein bisschen aus, um es sich gemütlicher zu machen in seinem neuen Leben. Kamen Touristen, zeigte er ihnen die Schönheit von Budelli und schickte sie dann rasch wieder weg. Vor einigen Jahren ging die Besitzerfirma bankrott, der italienische Staat übernahm die Insel, um sie vor Immobilienspekulanten zu schützen. Keine gute Entwicklung für den Einsiedler.

Die Naturparkbehörde des Archipels wollte ihn loswerden und schickte Räumungsbefehle wegen illegalen Bauens. Doch Morandi wehrte sich mit aller Macht und sehr modern: mit Appellen und Petitionen im Netz. Seit er Instagram und Facebook für sich entdeckt hatte und darauf Fotos der Insel postete, Sehnsuchtsbilder aus dem Paradies, war seine Gefolgschaft immer schnell mobilisiert. Auch die Medien liebten seine Geschichte, sogar CNN kam mal vorbei. So schob der Staat die Räumung immer wieder auf. Bis jetzt.

Jetzt braucht er erst mal eine Corona-Impfung

Das braune Haus wird renoviert, endgültig, die illegalen Zusatzbauten müssen weg. Und der Wächter gleich mit.

Morandi sagt, er sei wohl einfach zu alt für den Kampf, er leide ja auch an Diabetes. Als Erstes werde er sich nun impfen lassen. Budelli war immer covidfrei. Alle zwei Wochen kam ein Freund vorbei und brachte Lebensmittel, so es der Seegang erlaubte. Oft war der rau, kalte Nordwinde peitschten über die Insel. Außer dem Freund mit den Besorgungen hat er seit vergangenem Sommer niemanden mehr gesehen. Aber das war nicht seine größte Sorge. "Der Kühlschrank läuft nicht mehr richtig", sagt er, "die Batterien sind kaputt." Alltagsprobleme, auch im Paradies.

© SZ/nas
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