Ligurien Italienische Polizei trickst Gemälde-Diebe aus

Blick auf das ligurische Dorf Castelnuovo Magra bei La Spezia.

(Foto: Davide Papalini/CC-by-sa-3.0)
  • Zwei Personen entwendeten ein vermeintliches Gemälde des Malers Pieter Brueghel des Jüngeren aus einer Kirche in Castelnuovo Magra. Sie sind noch auf der Flucht.
  • Wie nun herauskam, hat die Polizei von dem geplanten Diebstahl gewusst und das Bild zuvor durch eine Kopie ersetzt.
Oliver Meiler, Rom

Manchmal ist der Räuber der Dumme, und das ist natürlich tröstlich. Wobei man sagen muss, dass in diesem Fall, einem Kunstraub mit überraschender Pointe, die italienische Polizei ziemlich grandios nachgeholfen hat.

Die Geschichte spielt im kleinen Castelnuovo Magra, entrückt in den Hügeln hinter der ligurischen Hafenstadt La Spezia, 300 Einwohner. Das Dorf zieht seit vielen Jahren Kunststudenten und Touristen an, weil in einer Seitenkapelle seiner Kirche, Santa Maria Maddalena, aufbewahrt unter dickem Schutzglas, ein wertvolles Gemälde liegt: "Die Kreuzigung", ein Werk des flämischen Malers Pieter Brueghel des Jüngeren, 1564 bis 1638. Es kam einst auf Umwegen nach Castelnuovo. Der Wert wird auf drei Millionen Euro geschätzt. Vor bald vierzig Jahren wurde es einmal von einem Ganoven aus Genua gestohlen, der es gerne weiterverkauft hätte. Die Carabinieri kamen ihm auf die Spur, das Gemälde fanden sie hinter einem Schrank in seinem Schlafzimmer.

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Seitdem lag es wieder am alten Platz, in der Seitenkapelle. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis es wieder jemand versuchen würde. Sie kamen zu zweit, kurz nach 13 Uhr, als Castelnuovo Magra Mittagsruhe hielt. Mit einem weißen Peugeot fuhren sie vor, parkten vor der Kirche, mit dem Heck zum Gotteshaus. Sie zertrümmerten das Schutzglas mit einer Brechstange und trugen "Die Kreuzigung" weg. Die Aktion dauerte nur einige Minuten. Anwohner erzählten, der Motor des davonfahrenden Autos habe aufgeheult.

Nun, die Eile war umsonst. Die Sondereinheit der Carabinieri für den Schutz von Kulturgütern hatte Vorkehrungen getroffen, nachdem sie erfahren hatte, dass es einen Diebstahl geben sollte - irgendwann, bald mal. Unter dem Schutzglas lag deshalb eine Kopie, ein Kunstdruck, ein einfaches Poster also. Das Original hatten die Carabinieri in einem Safe untergebracht. Der Bürgermeister und der Pfarrer im Dorf waren informiert. Einigen Gläubigen fiel zwar auf, dass das berühmte Gemälde, das da in ihrer Kirche lag, nicht mehr ganz genau so aussah wie immer. Obschon die Reproduktion ganz toll geworden sein soll. Der Pfarrer nahm seine aufmerksamen Schäfchen ins Gebet, und alle schwiegen. Immerhin ging es um den großen Schatz des Dorfes, den ganzen Stolz.

Die Carabinieri montierten Kameras überall, auch in den Straßen rund um Santa Maria Maddalena. Und so wurde jeder Schritt der Gauner aufgezeichnet. Die Fahnder hoffen nun, dass die Bilder helfen, bald auch die Auftraggeber des Diebstahls zu finden. Offenbar gibt es da schon gute Hinweise, sonst hätten sie die Pointe mit dem Poster wohl nicht preisgegeben. Und gleichzeitig stehen sie nicht einmal unter Zeitdruck. Das Original ist ja in Sicherheit. Oliver Meiler

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