Juwelendiebstahl Die Rückkehr des Klunkers

Ein italienischer Polizist steht neben dem wiederaufgetauchten Schmuck, der 2013 aus dem Nationalen Etruskermuseum in Rom entwendet wurde.

(Foto: Andreas Solaro/AFP)
  • 2013 wurde eine antike Schmucksammlung im Wert von drei Millionen Euro aus dem Nationalen Etruskermuseum in Rom entwendet.
  • Die italienische Polizei hatte jahrelang intensivst nach den Stücken gefahndet.
  • Nun tauchte das Herzstück der Sammlung auf ungewöhnlichem Wege wieder auf.
Von Oliver Meiler

Da liegt es wieder in seiner ganzen Pracht, das Geschmeide der Castellani in der Villa Giulia. Auch die Goldkette mit den gravierten Smaragden, den Rubinen und Perlen ist zurück an ihrem Platz im Nationalen Etruskermuseum in Rom. Und das ist natürlich ein hübscher Epilog dieser verrückten und auch etwas grotesken Geschichte, die damals, als sie begann, um die ganze Welt ging.

Vor genau sechs Jahren, in der Nacht auf Ostersonntag 2013, schlichen sich vier Diebe durch den Garten der alten Sommerresidenz von Papst Julius III. im Norden der Stadt. Drei von ihnen brachen ins Museum ein, warfen Rauchbomben in die Korridore, offenbar um Panik zu stiften. Einer stand Wache, es war kurz vor Mitternacht, anwesend waren nur Wärter und Wächter. Denen fiel schnell auf, dass die Vermummten mit den Äxten keine Experten waren. Die Gauner stellten sich nicht nur tollpatschig an, sie zerstörten dann auch zwei Glasvitrinen mit Juwelen, die zwar besonders hell glänzten, aber nicht die wertvollsten Stücke waren.

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27 Schmuckstücke verschwanden

Die Klunker gehörten zu einer Kollektion, die die berühmte römische Goldschmiedfamilie Castellani, die im 19. Jahrhundert alle europäischen Königshäuser, den Adel und das hohe Bürgertum mit ihrem Schmuck ausgestattet hatte, dem Museum 1919 vermacht hatte. Schöne Imitate etruskischer Originale: Die Castellani waren immer leidenschaftliche Sammler von Antikem gewesen und ließen sich vom Nachlass ferner Zeiten inspirieren für ihre Werke. Die Beute der Diebe umfasste 27 Stücke. Fingerringe, Ketten, Ohrringe, Broschen. Geschätzter Wert: drei Millionen Euro.

Allen war klar, dass die Diebe ihren Überfall auf die Schmucksammlung im Auftrag Dritter verübt haben mussten. Es gab auch einen klaren Hinweis, wer das gewesen sein könnte: eine reiche russische Signora. Von der Frau war überliefert, dass sie einmal sagte, sie würde alles bezahlen für das "Gold der Castellani". Kurz nach dem Raub stellte die italienische Polizei die Signora am Flughafen Fiumicino. Auf ihrem Handy fanden die Beamten Fotos aus dem Museum. Nur, die Beweise reichten nicht aus, um sie festzunehmen. Sie reiste nach Russland und sollte nie mehr zurückkehren. Der ultimative Nachweis, dass sie es war, fehlt bis heute.

So begann eine lange Fahndungsaktion, die "Operazione Villa Giulia", die der Sondereinheit für den Schutz der Kulturgüter im Korps der Carabinieri nun neuen Ruhm einträgt. Man muss dazu sagen, dass die Einheit in ihrer 50-jährigen Geschichte schon etlichen Ruhm anhäufen konnte. Sie setzte sich den Gaunern auf die Fersen, hörte Hunderte Telefonate mit, durchsuchte Häuser. Die Diebe versuchten, die Juwelen auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. Auch dabei waren sie recht unbeholfen, die Carabinieri kamen ihnen immer zuvor. Bald war fast der ganze Schatz wieder beisammen.

Beichte auf dem Sterbebett

Das wertvollste Stück aber, die Goldkette mit den Smaragden, den Rubinen und Perlen, blieb verschollen. Bis sich eine Frau bei den Ermittlern meldete. Ihr Mann habe dem Kommando angehört, sagte sie. Als er im Sterben lag, trug er ihr auf, die Kette zurückzubringen. "So schloss sich der Kreis", sagt Nicola Candido, ein hoher Offizier der "Carabinieri per la Tutela del Patrimonio Culturale", wie das Korps mit vollem Namen heißt.

24 der 27 gestohlenen Schmuckstücke liegen nun also wieder in der Villa Giulia, alle wichtigen Preziosen sind dabei. Wie durch ein Wunder. Manche waren leicht beschädigt. Mal fehlte eine Perle, mal hatte ein Stein einen Kratzer. Alle Stücke wurden restauriert.

Das Museum beschloss, sie in demselben Glaskasten auszustellen, als Erinnerung an die verrückte Osternacht 2013, als Rauch und Tränengas die hehren Gänge füllten. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden mittlerweile modernisiert, so was wie damals soll also nie mehr vorkommen. Der Kasten steht übrigens in der Sala della Fortuna der Villa, das ist italienisch für: Saal des Glücks.

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