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Italien:Polizei fasst "Johnny lo Zingaro"

Giuseppe Mastini Johnny der Zigeuner

Entwischte mehrmals aus dem Gefängnis: Giuseppe Mastini.

(Foto: Archiv)

Der Italiener Giuseppe Mastini ist berüchtigt für seine Verbrechen - und für seine Fluchtversuche. Der letzte währte allerdings nicht lang.

Die Polizei in Italien kann einen Fahndungserfolg vermelden: Giuseppe Mastini, 60, bekannt als "Johnny lo Zingaro" (wörtlich übersetzt: Johnny, der Zigeuner), ist am Dienstagmorgen gegen 8.15 Uhr in einem Haus auf Sardinien festgenommen worden, wie unter anderem die Zeitung La Repubblica berichtet. In der Provinz Sassari im Nordwesten der Insel hatte die Polizei systematisch mehrere Häuser durchsucht, um den flüchtigen Verbrecher zu finden. Sie entdecke ihn schließlich in einer Hütte neben einer Schmiede.

Mastini war vor zehn Tagen aus dem Hochsicherheitsgefängnis von Sassari entkommen. Es war jedoch keine spektakuläre Flucht, sondern die Gutgläubigkeit oder auch Schlampigkeit der Justiz, die ihm die Freiheit bescherte. Mastini kehrte von einem Hafturlaub nicht zurück. Dieser war ihm gewährt worden, damit er seine Freundin treffen konnte. Zehn Tage durfte er sich in einer Besserungsanstalt für Gefängnisinsassen der Salesianer aufhalten. Doch als er zum vereinbarten Zeitpunkt am 5. September um 12 Uhr nicht ins Gefängnis zurückkehrte, schlug die Leitung der Haftanstalt Alarm.

Eigentlich hätte die Polizei gewarnt sein müssen, denn der Verbrecher war zuvor bereits sieben Mal aus dem Gefängnis entwischt, meist, um sich mit Frauen zu treffen.

Bei seinem ersten Banküberfall war er elf Jahre alt

Mastini war 1989 wegen Mordes zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt worden. In den 1970er- und 1980er-Jahren hatte er in Rom zu den gefürchtetsten Verbrechern gehört. 1960 in der Nähe von Bergamo geboren, war er im Alter von zehn Jahren mit seiner Familie in die italienische Hauptstadt gezogen. Dort geriet er früh in kriminelle Kreise. Schon mit elf machte er bei einem Raubüberfall mit, mit 15 Jahren überfiel er mit einem Freund einen Busfahrer der römischen Verkehrsbetriebe. Die Leiche des Fahrers fand die Polizei wenige Tage später auf einem Feld vor den Toren Roms. Außerdem stahl Mastini zahlreiche Autos und fuhr mit ihnen herum. In jenen Tagen entstand auch sein Spitzname "Johnny, der Zigeuner", den auch die Polizei und die Medien verwenden. Mastini, dessen Familie zu den Sinti gehört, besteht darauf, mit diesem heute als politisch inkorrekt empfunden Namen bezeichnet zu werden. So als sei der Name eine Marke, die nicht verändert werden dürfe.

Nach der Festnahme dankte der italienische Justizminister Alfonso Bonafede auf Twitter den zuständigen Behörden. Mastini wird nun wieder in das Hochsicherheitsgefängnis Sassari zurückkehren. Anfang kommenden Jahres könnte er theoretisch einen Antrag auf Bewährung stellen.

© SZ/olkl/nas

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