Süddeutsche Zeitung

Italien:Tote bei Gefängnisrevolten

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In verschiedenen Gefängnissen in Italien ist es inmitten der Coronavirus-Krise zu Protesten mit mehreren Toten gekommen. In Modena seien sechs Häftlinge ums Leben gekommen, mehrere wurden schwer verletzt. Das berichteten Medien am Montag unter Berufung auf die Gefängnisverwaltung. Mehr als 50 hätten versucht zu fliehen.

Die Gewerkschaft der Gefängnispolizei sprach von Aufständen in 27 Haftanstalten im ganzen Land. Es habe eine Reihe von Revolten gegeben, sagte Gefängnisverwaltungschef Francesco Basentini in einem Fernsehinterview. Drei Häftlinge seien in einem Gefängnis im norditalienischen Modena gestorben, drei weitere seien ums Leben gekommen, nachdem sie aus der Anstalt verlegt worden seien.

In der Stadt Pavia wurden nach Gewerkschaftsangaben zwei Justizvollzugsbeamte als Geiseln genommen und erst nach einem Polizeieinsatz wieder freigelassen. In mehreren Haftanstalten wurden Brände gelegt und so erheblicher Schaden angerichtet, teilte das Justizministerium mit. Medien zeigten Videos und Fotos von einem Aufstand in einem Gefängnis in Mailand. Darin ist zu sehen, wie Häftlinge auf einem Dach stehen und "Freiheit" skandieren. Auch in der Stadt Foggia wollten Berichten zufolge Häftlinge fliehen.

Kontakt zwischen Häftlingen und Angehörigen wurde einschränkt

Unklar war zunächst der Grund für die Aufstände. In Medienberichten hieß es, sie hätten mit dem Coronavirus in Norditalien zu tun. Besuche seien ausgesetzt worden. Am Sonntag wurde ein Notfalldekret erlassen, mit dem die Regierung als Teil ihrer Maßnahmen zur Eindämmung des Virus den direkten Kontakt zwischen Häftlingen und deren Angehörigen einschränkt.

Modena liegt in der sogenannten Roten Zone, einem Sperrgebiet, das große Teile Norditaliens umfasst. Das Gebiet ist in Europa am schwersten von der Coronavirus-Epidemie betroffen. Medienberichten zufolge dürften die Proteste aber auch damit zusammenhängen, dass die Gefängnisse überfüllt sind.

Die Organisation Antigone, die sich für die Rechte von Gefangenen einsetzt, erklärte, die Lage sei besorgniserregend. In einer solchen Krise, die Italien derzeit durchmache, sei es fundamental wichtig, auch Häftlingen die Situation zu erklären und Kontakte zu ihren Nahestehenden, zum Beispiel über Skype, zu ermöglichen.

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