Streit um italienische NudelnSchluss! Aus! Pasta!

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Cacio e pepe mit Parmesan? Bei den Zutaten für ihre Gerichte zeigen sich die Italiener meist nicht sehr kompromissbereit.
Cacio e pepe mit Parmesan? Bei den Zutaten für ihre Gerichte zeigen sich die Italiener meist nicht sehr kompromissbereit.
Simone Frau/American Institute of Physics/dpa

„Cacio e pepe“ mit Parmesan statt Pecorino: Ein britisches Spaghetti-Rezept sorgt in Italien für heftige Diskussionen. Sollten wir beim Essen nicht einfach mal gelassen sein?

Von Martin Zips

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Die Welt ist gespalten, auch kulinarisch. Während es den einen völlig egal zu sein scheint, was sie so alles in sich reinschaufeln, Hauptsache billig, achten andere sehr genau darauf, was bei ihnen auf den Speisezettel kommt. An nationalen Grenzen macht dieser Unterschied nicht halt. Und doch scheint, was Essen und Trinken betrifft, die Stimmung zwischen dem italienischsprachigen und dem englischsprachigen Raum besonders angespannt zu sein. Das Geschrei am Stiefel ist groß, rührt man in England mal wieder Sahne in die Carbonara, bestellt sich in Kanada einen Cappuccino zum Dessert, serviert in Schottland Fusilli zur Bolognese oder verteilt in den USA stückweise Ananas auf der Pfannenpizza.

Jetzt war es ein Nudelrezept, das die britisch-italienischen Beziehungen auf eine harte Probe stellte. Eine Webseite, die bis vor wenigen Monaten noch der BBC gehörte, hatte Zutaten für „Cacio e pepe“ veröffentlicht. Der erste Fehler bestand – aus italienischer Sicht – darin, das Gericht den Lesern als „easy, speedy lunch“ zu verkaufen, was eher an Toast mit Bohnen erinnerte. Eine gute Zubereitung, so befanden italienische Kommentatoren, brauche vor allem: Zeit.

Einer wird sogar beim Botschafter vorstellig

Für den noch größeren Aufschrei aber sorgte der Vorschlag, statt Pecorino lieber Parmesan und ordentlich Butter zu verwenden. Das habe, wie etwa der öffentlich-rechtliche Rundfunk Rai in Italien feststellte, nicht mehr das Geringste mit dem römischen Originalrezept „Cacio e pepe“ zu tun. Da könne man dann höchstens noch „Pasta Alfredo“ drüber schreiben – und das sei ja was völlig anderes. Pasta Alfredo sind diese kalorienreichen Nudeln, mit denen der römische Wirt Alfredo di Lelio mal seine Frau nach der Geburt des Kindes wieder aufgepäppelt haben soll. In Sachen „Cacio e pepe“ meldete sich dann noch der Präsident des international angesehenen Branchenverbandes „Federazione italiana degli esercenti pubblici e turistici Confesercenti Roma“ zu Wort und soll gar ein Protestschreiben an den britischen Botschafter geschickt haben. Sachen gibt’s.

Wobei man jetzt auch mal sagen muss: Gelegentlich nervt das Geschrei aus der Osteria. Erst vor zwei Jahren hatte der italienische Landwirtschaftsminister Francesco Lollobrigida ja so eine Art Taskforce vorgeschlagen, welche die traditionelle Zubereitung von italienischen Speisen im In- und Ausland überwachen solle. Er setzte sich nicht durch. In politisch unruhigen Zeiten, das kann man derzeit überall auf der Welt sehen, wird gerne „die Tradition“ beschworen. Auch, wenn es sie gar nicht gibt. So hat der italienische Wirtschaftswissenschaftler Alberto Grandi kürzlich in seinem Buch „Mythos Nationalgericht“ sehr schön herausgearbeitet, dass etwa Spaghetti Carbonara erst durch US-amerikanische Soldaten im Zweiten Weltkrieg in Italien eine größere Verbreitung fanden.

Den neuerlichen Küchenzuruf aus der Mittelmeerregion jedenfalls, den dürfte man am Ärmelkanal eher gelassen sehen. Vor Kurzem noch gab es in London das Café „Britaly“, in dem zum „Full British Breakfast“ – sehr provokant! – italienische Fenchelwurst sowie frittierter Pizzateig gereicht wurden. Leider hat das Café mittlerweile wieder geschlossen. Und die Kette „Jamie’s Italian“? Ist leider auch pleite. Doch es gibt noch viele, viele ausgezeichnete italienische Köche in dem Land, dessen Hauptstadt Londinium vor 2000 Jahren von den Römern gegründet wurde. „Tradition“ hin oder her: Wer will, der haut sich eben einfach Sahne in die Carbonara oder Butter in die Nudeln, als Zeichen gegen das ganze Supremacy-Geschwätz. Ist schon okay so.

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