Italien:Zwei verletzte Deutsche beim Unglück in den Dolomiten

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Ein Mann und eine Frau werden auf einer Intensivstation behandelt. Bei dem Gletschersturz kamen mindestens sieben Menschen ums Leben, es soll noch 17 Vermisste geben.

Unter den vom Gletschersturz in Norditalien betroffenen Bergsteigern dürften auch zwei Deutsche sein. Nach ersten Informationen sind die beiden verletzt. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts sagte, man gehe derzeit von zwei deutschen Personen aus. Ein Krankenhaus in Belluno, südöstlich des Unglücksortes, behandle zwei am Berg gerettete Deutsche auf der Intensivstation, teilte die örtliche Gesundheitsbehörde am Mittag mit. Dabei handle es sich um einen 67 Jahre alten Mann und eine 58 Jahre alte Frau. Beide würden eng überwacht. Geholfen habe, dass das Klinikpersonal Deutsch sprach und Kontakt zur Familie herstellen konnte.

Der italienische Ministerpräsident Mario Draghi will gegen Mittag in der Nähe des Unglücksortes eintreffen, wie sein Büro mitteilte. In der Gemeinde Canazei im Trentino, wo die Behörden ein Lagezentrum eingerichtet haben, wolle er sich zusammen mit dem Chef des Zivilschutzes über die Lage informieren. Die Bergrettung der Region Venetien veröffentlichte einen Aufruf an Angehörige und Freunde möglicher Vermisster: Auf den Parkplätzen, an denen üblicherweise die Normalroute auf den Marmolata-Gipfel startet, stünden derzeit noch 16 Autos, die nicht zugeordnet werden könnten.

Am Sonntag waren am Berg Marmolata in den Dolomiten Eis, Schnee und Felsen abgebrochen und hatten mehrere Bergsteiger verschüttet. Mindestens sieben Menschen kamen ums Leben, acht weitere wurden zum Teil schwer verletzt, wie die Rettungsleitstelle der Region Venetien mitteilte. Laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa galten am Montag 17 Menschen als vermisst.

Am mehr als 3340 Meter hohen Berg Marmolata, dem höchsten in den Dolomiten auf der Grenze der Regionen Trentino-Südtirol und Venetien, gingen am Montag die Such- und Rettungsarbeiten weiter. Hubschrauber und Drohnen suchten das Gebiet ab. Dort hatte sich ein großer Gletscherbrocken gelöst und war zu Tal gestürzt. Dabei wurde auch der normale Aufstiegsweg getroffen, auf dem sich gerade mehrere Seilschaften befanden; zwei davon wurden getroffen.

Italiens Staatschef Sergio Mattarella telefonierte derweil mit den Präsidenten der beiden Regionen, um seine Anteilnahme auszudrücken, wie der Quirinalspalast mitteilte. Auch andere Politiker drückten ihre Anteilnahme aus. "Beten wir gemeinsam für die Opfer des Gletschersturzes an der Marmolata und für ihre Familien", twitterte der Account von Papst Franziskus. In Canazei trafen laut Ansa am Montag erste Verwandte von Vermissten ein, um bei den Rettungsdiensten nach Informationen zu ihren Angehörigen zu fragen.

Nicht abschließend geklärt ist, warum die Lawine abging. Möglich ist, dass die hohen Temperaturen der vergangenen Wochen den Abbruch begünstigten. Der Südtiroler Extrembergsteiger Reinhold Messner sieht in der Lawine eine deutliche Folge des Klimawandels und der Erderwärmung. "Diese fressen die Gletscher weg", sagte der 77-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Die Gletscher würden wegen der ungewöhnlich warmen Temperaturen immer instabiler.

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