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Corona in Italien:Solo per donne - nur für Frauen

Wäsche in Rom. Ein Krankenhauskonglomerat bei Mailand hält Waschen offenbar für Frauensache.

(Foto: Andrew Medichini/AP)

Ein Krankenhauskonglomerat bei Mailand wollte die Genesung der Patienten per Fragebogen kontrollieren. Die Fragen zum Kochen, Wäsche waschen und Putzen richteten sich allerdings nicht an alle.

Von Oliver Meiler, Rom

Manchmal ist Gesundwerden unfreiwillig komisch, aber gemach: Es wird alles gut. Ein großes Krankenhauskonglomerat bei Mailand, die Azienda Socio Sanitaria Territoriale Rhodense, kurz ASST Rhodense, hatte die Idee, allen Patienten, die nach ihrer Genesung von Covid-19 zur Kontrolle in ihre Kliniken kamen, einen Fragebogen zu unterbreiten. Man wollte herausfinden, ob sich die Menschen in ihrem Alltag wieder zurechtfinden, ohne Folgebeschwerden, ob sie also wieder ganz gesund sind. Und da es schon einen solchen Fragebogen für betagte Menschen gab, einst ausgearbeitet von den Altersforschern M. Powell Lawton und Elaine M. Brody, nahmen sie einfach den und übersetzten ihn, wie es gerade kam.

Den Titel des Formulars beließ man in Englisch: "Instrumental Activities of Daily Living". Auch die Namen der Akademiker standen noch ganz oben auf dem Papier, als Nachweis für das Renommee der Unternehmung. Nun, der Rest ist übersetzt und wurde an zentralen Stellen eher unselig ergänzt.

Im ersten Teil geht es um die Fähigkeit beim Telefonieren, vier Möglichkeiten: 1 - Benutzt das Telefon völlig normal. 2 - Wählt nur bekannte Nummern. 3 - Nimmt Anrufe entgegen, ruft selbst aber niemanden an. 4 - Ist unfähig, das Telefon zu bedienen. Alles okay und unverfänglich, höchstens im Zusammenhang mit Covid-Erkrankungen vielleicht ein bisschen abseitig. Im zweiten Teil geht es um Besorgungen und die Eigenständigkeit beim Einkaufen im Supermarkt, auch problemlos. Dann aber kommen drei Kategorien, bei denen es die ASST Rhodense für angebracht hielt, eine Klammer und ein Sternchen hinzuzufügen, weil sie offenbar nicht alle betreffen: *solo per donne, *nur für Frauen. Hier die Kategorien: Kochen, Wäsche waschen, Putzen. Eben.

Die Sache mit dem Fragebogen wäre wohl nie publik geworden, wenn der nicht Luca Paladini in die Hände geraten wäre, einem Aktivisten von Sentinelli di Milano, einer Organisation gegen Diskriminierungen aller Art. Er lud ein Foto des Papiers bei Facebook hoch und schrieb dazu: "Region Lombardei, Jahr 2021"" Er habe das Gefühl gehabt, ins 18. Jahrhundert zurückgebeamt worden zu sein. Aus dem Netz stieg ein kollektiver Schrei der Entrüstung. Paladini kontaktierte die lombardische Regionalverwaltung, die schließlich in letzter Instanz verantwortlich ist. "Doch die wussten nichts davon, die wissen ja nie etwas", sagte Paladini.

Einige Stunden später zog die ASST Rhodense das Formular zurück. Da seien bei der Übersetzung des englischen Texts Fehler passiert, man werde intern untersuchen, wie es so weit kommen konnte. Für die Entschuldigung schickte man eine Frau vor: Ida Ramponi, die Generaldirektorin.

© SZ/afis
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