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Italien:Amanda Knox hat keine Angst mehr vor Perugia

Amanda Knox

Beteuert seit Jahren ihre Unschuld: Amanda Knox, heute 27, bei einem Fernsehauftritt in den USA im Januar 2014.

(Foto: dpa)
  • Vor zehn Jahren wurde die britische Austauschstudentin Meredith Kercher im italienischen Perugia ermordet.
  • Es ist ein Kriminalfall, der nie vollständig aufgeklärt werden konnte.
  • Amanda Knox, damals eine der Hauptverdächtigen, wurde mehrfach verurteilt und schließlich freigesprochen.

Amanda Knox hat am Montag ausgiebig Halloween gefeiert. In ihrer Heimatstadt Seattle, an der Westküste der USA, verkleidete sie sich für eine Party als Irene Adler. Adler ist eine Romanfigur aus der Krimi-Reihe Sherlock Holmes, sie bandelt dort mit einem König an, der sie dann doch nicht heiratet, aber so beschreibt: "Sie hat das Gesicht der schönsten aller Frauen und den Verstand des entschlossensten aller Männer."

Ob das ein gutes, weil ausreichend gruseliges Halloween-Kostüm ist, darüber lässt sich streiten. Fest steht, dass sich Amanda Knox damals, vor genau zehn Jahren, nicht verkleiden musste, um die Stadt Perugia in Italien und eigentlich auch die ganze Welt zu gruseln. Damals wurde Knox zur Hauptfigur in einem realen Krimi, einem der spektakulärsten Fälle in der Geschichte Italiens. Knox wurde zum "Engel mit den Eis-Augen".

Knox feierte nun Halloween in ihrer Heimatstadt, obwohl sie doch eigentlich angekündigt hatte, nur zwei Tage später in einem anderen Teil der Welt zu sein. Sie wollte am 1. November Italien besuchen, die Stadt, in der sie vor zehn Jahren ein Auslandssemester absolvierte. "Ich weiß, dass Perugia weltweit der Ort ist, der mich am wenigsten willkommen heißt", sagte Knox dem US-Magazin People. "Und das ist unheimlich, aber es bedeutet mir sehr viel, keine Angst vor diesem Ort mehr zu haben."

In der Nacht vom 1. auf den 2. November 2007 starb in Perugia die britische Austauschstudentin Meredith Kercher. Die 21-Jährige wurde von drei Angreifern mit zwei Messern traktiert, erstickte an ihrem eigenen Blut, das die Ermittler an der Wand und am Boden ihrer Wohnung fanden. Als "Crescendo der Gewalt" wurde Kerchers Mord zwei Jahre später im Urteil beschrieben.

Als die drei Angreifer wurden Knox, die damals mit Kercher die Wohnung teilte, Knox' damaliger Freund und ein Student von der Elfenbeinküste verurteilt. Keiner legte in dem Indizienprozess ein Geständnis ab. Kein Mensch, außer womöglich den dreien, weiß bis heute, wer wirklich verantwortlich dafür ist, dass Kercher so grauenvoll starb. Knox saß vier Jahre in Untersuchungshaft, wurde mehrmals freigesprochen und wieder verurteilt, ehe sie 2015 endgültig freigesprochen wurde.

Die Spurensicherung war seinerzeit ein Desaster. Polizisten betraten das Haus ohne Schutzanzüge, Scheiben wurden eingeschlagen. In dem Raum, in dem Kercher starb, fanden die Beamten keine einzige Spur von Knox. Auf einem abgeschnittenen BH-Verschluss fand sich ein DNA-Abdruck ihres damaligen Freundes, ein zentrales Beweisstück, das die Polizei erst 46 Tage später sicherstellte - an einer anderen Stelle, als es ursprünglich lag. Niemand konnte die Verschiebung erklären, auch eine Kontamination war möglich. Italiens oberster Gerichtshof stellte später einen "Mangel an Professionalität" bei den Ermittlungen fest.

Knox will ein neues Buch über ihren Fall schreiben

"Die einzige Möglichkeit für mich, diesen Kreis zu schließen, ist buchstäblich einen Kreis daraus zu machen", sagte Knox. Deswegen wolle sie nun zum ersten Mal an den Ort des Verbrechens zurückkehren. "Meine Familie lebte jahrelang dort, um mich vor Ort zu unterstützen, sie haben Beziehungen zu Perugia entwickelt. Meine einzige Verbindung zu dieser Stadt ist das Gefängnis und der Kontakt zum Pfarrer." Nun wolle sie Perugia durch die Augen ihrer Familie kennenlernen. "Ich möchte zurückkehren und einfach wieder eine Person an einem Ort sein. Nicht jemand, der aus einem Gerichtssaal rennt und nach all den Jahren des unglaublichen Leids vor Paparazzi flieht."

Seit ihrer Rückkehr in die Freiheit und in ihre Heimat hat Knox ein neues Leben begonnen. Die heute 30-Jährige arbeitet als Autorin und Aktivistin. Deswegen hat ihr angekündigter Besuch einen weiteren Hintergrund: Sie plant ein neues Buch über ihren eigenen Kriminalfall. "Eine Dekade ist vergangen, ich habe in der Zwischenzeit viel verarbeitet", sagt sie. Die Rückkehr sei nun der nächste Schritt - wenn sie ihn denn gegangen ist. Der letztmögliche Flug verließ Seattle am frühen Montagabend, an dem Tag, als Knox in Seattle als Irene Adler Halloween feierte.

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