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Israel:"Schläfriger" Junge mit Kugel im Kopf

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Ärzte bei einer Operation. Symbolbild

(Foto: David Agüero Muñoz/imago/Westend61)

Ärzte in Jerusalem entdecken überraschend eine Kugel im Kopf eines Neunjährigen. Dem Jungen geht es nach der OP gut, doch es bleibt ein Rätsel, woher das Geschoss stammt.

Von Peter Münch, Tel Aviv

Den Ärzten in der Klinik erschien der Junge "etwas schläfrig". Die Eltern, die ihren Neunjährigen ins Jerusalemer Hadassah-Krankenhaus gebracht hatten, äußerten den Verdacht, es sei ihm womöglich beim Spielen draußen mit Freunden etwas auf den Kopf gefallen. Eine kleine Wunde war zu sehen, und etwas Blut klebte an den Haaren. Seltsam, aber nicht dramatisch. Doch als die Ärzte zur Sicherheit eine Computertomografie anordneten, entdeckten sie auf den Bildern: eine Kugel im Kopf des Kindes. Sie wurde eilends herausoperiert, dem Jungen geht es gut.

Der Fall, über den die Times of Israel berichtet, ist ein Rätsel mit einem Happy End. Als Erstes muss die Polizei nun untersuchen, wie das Geschoss in den Schädel des Kindes aus dem arabischen Ostjerusalemer Stadtteil Ras al-Amud kam. Die Eltern haben dafür keine Erklärung. Die Vermutungen gehen nun dahin, dass die Kugel Teil einer Freudensalve gewesen sein könnte, die am vorigen Wochenende aus Anlass des muslimischen Opferfestes abgefeuert wurde. Vor zwei Monaten hatte es einen ähnlichen Fall in einem Nachbarviertel gegeben, bei dem ein vierjähriges Mädchen durch eine Kugel unbekannter Herkunft getötet worden war.

Der Neunjährige hatte nun deutlich mehr Glück. Nach Angaben des Neurochirurgen Guy Elor, der die Operation ausführte, war die Kugel durch "sehr wichtige Hirnstrukturen" gedrungen und an der Schädeldecke gestoppt worden. Doch sie veränderte ihre Position selbst noch in der Zeit zwischen Computertomografie und Operation und war von der Schädelwand aus ins Gehirn zurückgewandert. Der Eingriff war nach Angaben des Arztes äußerst kompliziert, aber erfolgreich.

Neurochirurg Elor war eigentlich schon auf dem Weg ins Wochenende und zum traditionellen Schabbat-Dinner, als ihn seine Kollegen in der Klinik erreichten und ihm aufs Smartphone die überraschenden Bilder aus dem Computertomografen schickten. Umgehend kehrte er in die Klinik zurück, und der Junge lag schon zwei Stunden nach der ersten Untersuchung im Krankenhaus auf dem OP-Tisch. Wenige Tage später berichtete Elor nun, der Patient sei "in extrem guter Verfassung", er sei wach und gesprächig. Sein Gehirn erhole sich bemerkenswert gut, und mit etwas weiterem Glück seien keine bleibenden Schäden durch die Kugel im Kopf zu erwarten.

© SZ/lot

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