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Irritierende Partyballons:UFOs über der Lüneburger Heide

In Norddeutschland wurden in letzter Zeit komische, flimmernd-gelbe Objekte gesichtet. Die Vermutung lag sofort nahe, es müsste sich hierbei um UFOs handeln.

Es war einer der wenigen lauen Sommerabende im Juli. Rainer B. war mit seinem Auto auf dem Heimweg von einer Feier in der Lüneburger Heide, als es ihm wie vielen anderen Nachtschwärmern in letzter Zeit ging. Direkt vor ihm am Horizont waren zehn flimmernde gelbe Objekte zu sehen.

Partyballons

In Wirklichkeit waren die vermeintlichen UFOs Partyballons.

(Foto: Foto: ddp)

Rainer B. reagierte nervös. Er war sich sicher: Was da am Nachthimmel stand, war keine optische Täuschung. Es konnten nur UFOs sein.

Doch so spektakulär die Erscheinung war, so simpel ist die Erklärung, um was es sich tatsächlich handelte. Was Rainer B. am Himmel sah, war buchstäblich nichts als "heiße Luft": Gut einen Meter große Ballons aus Reispapier, sogenannte Asiatische Himmelslaternen. Die sind der Renner in der diesjährigen Sommerfeier-Saison und werden auf vielen Veranstaltungen in Norddeutschland eingesetzt.

Seit Pfingsten wird dem Centralen Erforschungsnetz Außergewöhnlicher Himmelsphänomene (CENAP) in Mannheim immer wieder von den merkwürdigen Himmelserscheinungen berichtet. "Das glaubt einem keiner, wenn man erklärt, dass das nur Partybeleuchtungen sind", sagt Werner Walter, der seit 30 Jahren bei der CENAP arbeitet und UFO-Meldungen entgegennimmt. Eine solche "UFO-Sichtungswelle" wie jetzt habe er noch nie erlebt.

Wirklich freuen kann sich der UFO-Experte nicht über die vielen Meldungen. "So langsam geht mir das richtig auf die Nerven", sagt Walter, der auch das deutsche UFO-Meldetelefon betreibt. Alleine an einem Wochenende seien rund 30 Meldungen aus ganz Deutschland über angebliche UFO-Sichtungen bei ihm eingegangen.

Seit Pfingsten wurden bereits 90 Fälle gemeldet. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2006 waren es nur 70. "Das, was die Leute beschreiben, ist immer dasselbe", sagt Walter. Immer werde von mehreren, leuchtenden Objekten berichtet, die sich in einer bestimmten Höhe befinden und langsam bewegen.

Die "Asiatischen Himmelslaternen" sind bis zu 120 Zentimeter hoch und funktionieren nach dem Ballonprinzip. In der Reispapierhülle befindet sich ein Drahtgestell, auf dem eine Kerze steht. Diese heizt die Luft in der Fackel so an, dass sie in der kalten Nachtluft in bis zu 500 Meter Höhe aufsteigt.

Kein Wunder, dass viele aufgeregt auf die Himmelserscheinungen in Form von Reispapier reagieren. So auch Rainer B. "Der Mann war total aufgelöst, als er bei mir anrief", erinnert sich der UFO-Experte. "Ich hab ihn gar nicht beruhigen können." Ein Problem sei, dass viele Menschen dächten, man verschweige ihnen etwas. "Der Mythos der Area 51 hat sich in den Köpfen vieler Menschen verfestigt", sagt Walter. Viele erzählen ihm auch, dass sie sich an den Spielberg-Film "Unheimliche Begegnung der Dritten Art" erinnert fühlten.

Die Partybeleuchtungen verkaufen sich nach Angaben von Walter schnell in der ganzen Republik. Die Firma Flammea bietet die Himmelslaternen seit 2006 an. "In diesem Jahr haben wir vermehrt Nachfragen", sagt Mitarbeiterin Nicole Schäfer. Vor allem durch Mund-zu-Mund-Propaganda seien viele auf das Produkt aufmerksam geworden. Doch für sie ist die große Verbreitung kein Wunder: "Schließlich sind die Fackeln einfach schön und romantisch."

UFO-Forscher Walter hingegen wäre nur froh, wenn er nachts nicht ständig besorgte Himmelsbeobachter beruhigen müsste: "Privat würde ich mir wünschen, dass man die Dinger verbietet. Aber da sie keine Gefährdung darstellen, wird das wohl kaum möglich sein." Somit bleibt Walter nur die Hoffnung auf den Herbst, wenn die Partys im Freien vorbei sind, und keine Reispapierballons mehr in den Himmel aufsteigen.

© ddp/Julia Spurzem
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