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Mayerling: Der Mann, der Mary Vetsera raubte:"Ich wollte nur ihre Knochen!"

Schon einmal sorgte eine gestohlene Leiche in Österreich für Aufregung - die von Mary Vetsera. Ein Gespräch mit dem Grabräuber Helmut Flatzelsteiner, der sich selbst als Privathistoriker bezeichnet.

Mit Grabräubern hat Österreich Erfahrung: Anfang der Neunziger Jahre stahl der Möbelhändler Helmut Flatzelsteiner, 69, die sterblichen Überreste von Mary Vetsera und rüttelte damit an einem dunklen Kapitel der österreichisch-ungarischen Monarchie. Vetsera kam 1889 in Mayerling bei Wien unter mysteriösen Umständen gemeinsam mit ihrem Geliebten, dem Thronfolger Rudolf, Sohn von Kaiserin Sisi, ums Leben.

grabräuber Helmut Flatzelsteiner

Helmut Flatzelsteiner würde sich nicht als Grabräuber bezeichnen. Eher als "Privathistoriker".

(Foto: Foto:)

SZ: Herr Flatzelsteiner, im Fall der verschleppten Leiche des Milliardärs Flick hat sich gerade eine Rentnerin gemeldet, die vier Männer und einen weißen Kastenwagen vor dem Mausoleum gesehen haben will! Haben Sie da einen heißen Tipp? Schließlich sind auch Sie ein Grabräuber.

Helmut Flatzelsteiner: Nein, ich bin ein Privathistoriker. Die Flick-Räuber sind Leute, die Geld machen wollen. Die sind nicht wie ich damals an Knochen interessiert.

SZ: Und warum haben Sie 1991 die Leiche von Mary Vetsera gestohlen?

Flatzelsteiner: Ich wollte herausfinden, woran sie wirklich gestorben ist.

SZ: Da sind Sie also einfach zum Friedhof von Heiligenkreuz gefahren und haben sich den Sarg geholt?

Flatzelsteiner: Nein, so einfach ging das nicht. Da brauchte es schon Vorbereitung und einen Haufen Werkzeug. Mit zwei Bekannten bin ich dann von Linz in Richtung Wien gefahren. Nachts um halb eins haben wir mit einem Wagenheber die Grabplatte angehoben, mit Holzbalken nach vorne gerollt und den Sarg rausgezogen. Das hat natürlich ordentlich gescheppert, weil die Knochen lose waren.

SZ: Der Sarg war unversehrt?

Flatzelsteiner: Freilich. Das war ein ganz normaler Zinnsarg, 20 Kilo schwer.

SZ: Was haben Sie dann gemacht?

Flatzelsteiner: Ich habe den Sarg in meinen Ford Transit gepackt, zu mir nach Hause gefahren und dort durch ein Fenster in meinen Keller gebracht. Als ich das Kellerfenster zugemacht habe, ist eine Funkstreife vorbei gefahren. Ich habe geglaubt, mich trifft der Herzschlag.

SZ: Und dann haben Sie auf eigene Faust zu forschen begonnen.

Flatzelsteiner: Genau. Ich habe den Sarg mit einem Winkelschleifer aufgeschnitten und dann den Schädel, das Gebiss, die Knochen, die Schuhe und so weiter in diversen Labors untersuchen lassen.

SZ: Ging das so einfach?

Flatzelsteiner: Ich habe denen gesagt, dass es meine Urgroßtante ist. Beim Kleid hieß es dann: Das muss eine sehr wohlhabende Frau gewesen sein, weil sie ein sehr seltenes Etikett entdeckt haben.

SZ: Was wurde sonst noch herausgefunden?

Flatzelsteiner: Zum Beispiel, dass Vetsera in ihrer Todesnacht starke Zahnschmerzen gehabt haben muss und mit einem Revolver erschossen worden ist.

SZ: Ob es Selbstmord oder Mord war, das wird ja immer noch diskutiert. Ende 1992 haben sie Ihre Geschichte an die Kronenzeitung verkauft.

Flatzelsteiner: Ich wollte das eigentlich schon früher machen. Aber dann ist der Ötzi gefunden worden. Und gegen den wollte ich nicht konkurrieren.

SZ: Wie ist das Gefühl, wenn man eine Leiche im Keller hat?

Flatzelsteiner: Das war keine Leiche mehr, das waren ja nur noch Knochen.

SZ: Hatten Sie keine Angst, strafrechtliche Probleme zu bekommen?

Flatzelsteiner: Die Totenruhe war ja schon verjährt. Wenn es strafrechtlich etwas gegeben hätte, hätte ich es doch nicht gemacht.

SZ: Würden Sie es wieder machen?

Flatzelsteiner: Mittlerweile bin ich zu alt und herzkrank.

SZ: Wie geht es Ihrer Meinung nach im Fall Flick weiter?

Flatzelsteiner: Jetzt werden die Diebe sich erstmal still verhalten und irgendwann mit ihrer Lösegeldforderung kommen. Aber sie müssen aufpassen: So ein großer Sarg lässt sich nicht so leicht verstecken.