Internet Lizzie Velásquez wehrt sich gegen beleidigendes Meme

Lizzie Velazquez kann kein Fett einlagern und wird deshalb immer wieder Opfer von Body Shaming.

(Foto: picture alliance / AP Photo)

Seit Jahren wird die Frau mit einer seltenen Krankheit für ihr Aussehen verspottet. Jetzt wendet sie sich mit einem emotionalen Video an alle Social-Media-Nutzer.

Es ist spät in der Nacht, als Lizzie Velásquez ihre Gedanken nicht mehr für sich behalten will und sich mit einer Botschaft an ihre Facebookfreunde wendet. Die Frau aus Texas entspricht nicht dem gängigen Schönheitsideal. Eine seltene Krankheit hindert ihren Körper daran, Fett einzulagern. Sie ist extrem dünn, ihre Zähne wirken in ihrem schmalen Gesicht wie ein übergroßes Scherzgebiss. Aus einem Foto von ihr hat jemand ein Meme gemacht - gegen das sich die Frau nun auf Facebook wehrt. Sie wolle kein Opfer sein, schreibt sie.

Unter ihrer Nachricht prangt der Screenshot eines anderen Posts. Er zeigt ein Foto der jungen Frau, wie sie an einen Baum lehnt. Im Bild steht: "Michael sagte mir, er würde sich für ein bisschen Spaß hinter diesem Baum mit mir treffen. Er ist schon spät dran. Könnte ihn jemand bitte in diesem Beitrag markieren und ihm sagen, dass ich immer noch warte?"

Das Meme im Netz: Kein ehrlicher Aufruf, um ein verspätetes Date noch zu retten, sondern eine Beleidung. Erstellt von wildfremden Menschen. Die Texanerin ist Anfeindungen wegen ihres Aussehens gewohnt. Wie die Nachrichtenseite "newshub" berichtet, wurde die damals 17-Jährige in einem Youtube-Video 2006 als "hässlichste Frau der Welt" beschimpft. Der Auftritt bei einer Frauenkonferenz und eine über sie gedrehte Dokumentation machten Lizzie Velásquez danach berühmt als Kämpferin gegen Body Shaming, das Verspotten von Menschen wegen ihres Körpers.

Kein Opfer, sondern jemand mit einer Stimme

Weil sich die Memes, die sich über sie lustig machen in jüngster Zeit wieder häuften, lässt Lizzie Velásquez in dieser Nacht auf Facebook ihren Gedanken freien Lauf. "Ich verfasse diesen Eintrag nicht als ein Opfer, sondern als jemand, der seine Stimme gebraucht", heißt es darin. Diese Schmähungen zu sehen, löse in ihr ein Gefühl aus, welches sie ihrem schlimmsten Feind nicht wünsche.

"Egal wie wir aussehen oder wie groß wir sind, am Ende des Tages sind wir alle Menschen", lässt sie die Netzgemeinde wissen. Die Menschen sollten das im Hinterkopf behalten, wenn sie das nächste Mal ein Meme einer völlig fremden Person sehen würden. "In dem Moment findest du das vielleicht lustig, aber der Mensch auf dem Foto fühlt vermutlich das genaue Gegenteil." Am Ende ihres Posts heißt es: "Verbreitet Liebe und nicht verletzende Worte über den Bildschirm."

Velásquez' nächtliche Botschaft für mehr Menschlichkeit hat viel Zuspruch ausgelöst. Inzwischen ist der Beitrag mehr als 80 000 Mal geteilt worden. Ein Mann mit dem Vornamen Michael bietet in Anspielung auf seinen angeblich verspäteten Namensvetter, sich wirklich mit Velásquez zu treffen. "Wann immer du wieder zuhause in Austin bist, sag mir an welchem Baum du dich treffen willst und ich werde da sein."

Mittlerweile hat Velásquez auf das positive Feedback auf ihren Post reagiert und sich in einem Video dafür bedankt. Außerdem hat sie noch einen Tipp parat. "Denkt nach, bevor ihr etwas teilt, denkt, bevor ihr etwas liket."

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