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Indisches Fernsehen:Gezügelte Werbegelüste

Die indischen Behörden verbannen Deo-Werbespots aus dem Fernsehen, die sexistische Rollenbilder propagieren sollen. In Indien ist das Verbot umstritten - für europäische Sehgewohnheiten sind die Spots eher harmlos.

Fernsehsender in Indien sind vom Medienministerium angewiesen, Deo-Werbungen mit "übermäßig sexuellem" Inhalt nicht mehr auszustrahlen. Die Fernsehsender haben nach BBC-Informationen fünf Tage, um die Werbungen anzupassen oder sie abzusetzen. "Die Werbungen sind darauf aus, männliche sexuelle Instinkte anzustacheln", heißt es in einer Stellungnahme der Behörden.

Zu den betroffenen Marken gehören laut BBC die Deo-Hersteller Wild Stone, Addiction Deo und Axe. Die Firmen haben noch nicht auf die Anordnung reagiert - und wollen sich offenbar auch nicht weiter zu der sensiblen Materie äußern.

Laut dem Ministerium beleidige die Werbung "den guten Geschmack und die Sitten". Die Werbefilme würden subtil suggerieren, dass die Produkte Frauen erregten. "Mit den Spots sollen niedere männliche Instinkte angesprochen und Frauen als lüstern und auf Männer fixiert dargestellt werden." Damit verletzten sie die Werbevorschriften für das Fernsehen, argumentierte das Ministerium.

Betroffen ist laut einer Anordnung des Informationsministeriums unter anderem eine Parfüm-Werbung, in der eine Frau angesichts des Dufts eines unbekannten Mannes beginnt, ihre Bluse aufzuknöpfen.

Der indische Werberat ASCI hält die Entscheidung für überzogen. Es hätte in den vergangenen zwei Jahren zwar einige Beschwerden über Deo-Werbungen gegeben, auf die das Selbstkontrollorgan der Werbebranche aber reagiert habe. Oft sei nach der Prüfung entscheiden worden, dass an den Filmen nichts auszusetzen sei. "Die meisten dieser Spots wurden nach 23 Uhr gezeigt, außerhalb der Zeiten, in denen Familien vor dem Fernseher sitzen", schreibt der Werberat.

Auch deutsche Deo-Hersteller setzen bisweilen auf einfache Reize in ihrer Werbung, die Kritik ist allerdings eher verhalten. Laut BBC hat das indische Medienministerium dagegen nicht zum ersten Mal derart sittenstreng reagiert. Im vergangenen Jahr wurde einem Modesender für zehn Tage die Sendeerlaubnis entzogen, weil er barbusige Models auf einer Modeshow zeigte.

© sueddeutsche.de/dpa/grc

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