Indischer Pharma-Skandal:Kinder als Versuchskaninchen

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Arzneimittel müssen vor der Marktzulassung egal in welchem Land auch an Menschen getestet werden. Damit ist immer ein Risiko verbunden, über das die Patienten gemäß international gültigen ethischen Standards informiert werden müssen. Medikamente an Kindern zu testen, ist für die Pharmaindustrie allerdings noch relativ ungewohnt.

Es ist noch nicht lange her, dass selbst Säuglinge wie Erwachsene behandelt wurden und nur weniger Wirkstoff verabreicht bekamen. Die Erkenntnis, dass Patienten im Baby-Alter mitunter ganz andere Medikamente benötigen, eröffnete den Pharmaherstellern einen neuen Markt, zwang sie aber auch zu Tests an Kindern. Weil sich in den Industrieländern kaum Eltern finden lassen, die bereit sind, ihre Kinder für solche Versuche zur Verfügung zu stellen, weichen die Konzerne in ärmere Länder aus: Indien, Südamerika, Afrika, Bangladesch, Thailand und auch China.

Auch die ethnische Herkunft der Testpersonen ist wichtig

Aber auch im Osten Europas würden inzwischen sehr viele Medikamente getestet, sagt Nicolaus Lorenz, der die internationale Zusammenarbeit des Tropeninstituts der Universität Basel leitet. Laut einer Untersuchung der Universität Hongkong fand zwischen 2005 und 2007 jede fünfte klinische Medikemantenstudie außerhalb Europas oder Nordamerikas statt.

Allerdings kann die westliche Pharmaindustrie nicht sämtliche Tests auslagern. "Die ethnische Herkunft des Patienten spielt bei einigen Medikamenten eine große Rolle", erklärt Lorenz. So wirkt etwa ein Herzmedikament bei Afrikanern anders als bei Europäern.

In den Internetforen indischer Zeitungen wird unterdessen heftig debattiert über die Todesfälle am AIIMS und die umstrittenen Versuche an offenbar nur mangelhaft informierten Menschen. In vielen Kommentaren werden vor allem die ungenügenden ethischen Standards in Indien kritisiert, die zu Missbräuchen führen würden.

Im Onlineforum der Times of India erinnerte ein User daran, dass die Kindersterblichkeit in Indien gemäß offizieller Statistik bei 3,2 Prozent liege - also deutlich höher als in der Testklinik in der Pädie des AIIMS. Die Frage ist nur, woran die Kinder starben, als sie von den besten Ärzten im Land behandelt wurden.

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