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Indien:Tote und Verletzte nach Chemieunfall

Ein Mitarbeiter der Katastrophenschutzbehörde streift eine Maske über, bevor er das Gelände betritt, wo der Chemieunfall passierte.

(Foto: AP/AP)
  • Die Menschen klagen über Augenreizungen und Atembeschwerden.
  • Das Gas sei mitten in der Nacht ausgetreten, sagte der Chef der nationalen Katastrophenschutzbehörde.
  • Die Fabrik im Bundesstaat Andhra Pradesh gehört zur südkoreanischen Firma LG Polymers. Sie stellt Plastik her, das für Spielsachen verwendet wird.

Bei einem Gasunglück in einer Chemiefabrik im Süden Indiens sind mindestens sieben Menschen getötet worden. Etwa 180 weitere wurden mit Augenreizungen und Atembeschwerden ins Krankenhaus gebracht, wie ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur sagte. Der britische Guardian berichtet von mindestens neun Toten und fast 1000 Verletzten. Unter den Toten soll auch ein achtjähriges Mädchen sein.

Anwohner in einem Radius von drei Kilometern um die Fabrik in der Hafenstadt Visakhapatnam im südindischen Bundesstaat Andhra Pradesh wurden in Sicherheit gebracht. Das Gas, das häufig bei der Produktion von Plastik eingesetzt werde, sei mitten in der Nacht ausgetreten, sagte der Chef der nationalen Katastrophenschutzbehörde dem Fernsehsender NDTV.

Die Leute hätten wohl den unangenehmen Geruch bemerkt. Am Morgen habe der Austritt gestoppt werden können. Indiens Premier Narendra Modi twitterte, er bete für die Sicherheit und das Wohl aller in der Stadt. Die zuständige Verwaltung forderte die Bürger über Twitter auf, mit nassen Masken oder Tüchern Mund und Nase zu schützen sowie ihre Häuser nicht zu verlassen.

"Die Menschen haben versucht, wegzurennen"

Mehrere Menschen verloren auf der Straße ihr Bewusstsein. Fernsehbilder am Donnerstagmorgen zeigten Dutzende Leute, teils trugen sie andere Menschen. Ein Augenzeuge sagte, es habe eine Panik gegeben, als das Gas sich wie Dunst ausgebreitet habe. "Die Menschen haben versucht, wegzurennen. Die Dunkelheit hat zu der Verwirrung beigetragen." Der Stadtverwaltung zufolge wurde Wasser in der Gegend versprüht, um den Einfluss des Gases zu minimieren.

Die Fabrik gehört zur südkoreanischen Firma LG Polymers. Sie stellt laut NDTV Plastik her, das etwa für Spielsachen verwendet wird. Ein Vertreter der Behörden sagte, das Gasleck sei entstanden, nachdem ein Feuer in der Anlage ausgebrochen sei. Arbeiter hätten gerade den Wiederanlauf der Anlage vorbereitet, die wegen der Ausgangssperre in Indien vorübergehend stillgelegt worden war.

Am 3. Dezember 1984 ereignete sich in Indien eine der schlimmsten Chemiekatastrophen der Geschichte. Damals entwichen aus einer Pestizid-Fabrik in Bhopal Tonnen der hochgiftigen Verbindung Methylisocyanat (MIC) und legten sich wie eine Decke über die Stadt. Nach Angaben von Menschenrechtlern kamen damals mehr als 20 000 Menschen ums Leben, Hunderttausende erkrankten und leiden noch heute an den Langzeitfolgen.

© SZ/dpa/Reuters/AP/afis/cat
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