Indien Ein Mega-Denkmal, doppelt so hoch wie die Freiheitsstatue

Die Sonne geht unter hinter den Bergen von Kevadiya und der 182 Meter hohen Patel-Statue.

(Foto: dpa)
  • In Indien ist das 182 Meter hohe Denkmal für den Freiheitskämpfer Sardar Vallabhbhai Patel fertiggestellt worden.
  • Der religiöse Premier Narendra Modi will ihn als Vorbildfigur für seine Hindu-Nationalisten etablieren. Patel kritisierte religiöse Eiferer jedoch als Gift für die Nation.
  • Protest kommt von den Bauern: Sie bemängeln, man hätte die 400 Millionen Dollar für den Bau besser in die Landwirtschaft investiert.
Von Arne Perras, Singapur

Mahatma Gandhi und Jawaharlal Nehru sind als Helden des indischen Freiheitskampfes weltberühmt. Andere Führer der anti-kolonialen Bewegung sind weniger bekannt - zum Beispiel Sardar Vallabhbhai Patel. In Indien nennen sie ihn den "eisernen Mann", er war immerhin Vize des legendären ersten Premiers Nehru. Jenseits des Subkontinents jedoch wird der Name nur wenigen etwas sagen. Das könnte sich nun ändern.

Der derzeit mächtigste Mann Indiens, Premier Narendra Modi, dürfte zumindest davon träumen. Er will Patel, der 1950 starb, zu ähnlichem Ruhm verhelfen wie Nehru oder Gandhi, den Gründervätern des modernen Indiens. Und was könnte dafür besser geeignet sein, als dem Mann ein Denkmal zu setzen, das alle anderen Statuen der Welt in den Schatten stellt? Also ließ Modi den Koloss von Gujarat erbauen.

Politik Indien Die vierte Kugel auf Gandhi
Indien

Die vierte Kugel auf Gandhi

Vor 70 Jahren erschoss Nathuram Godse den indischen Unabhängigkeitsführer Mahatma Gandhi. Dessen Tod provoziert noch immer politische Kontroversen. Nun wollen Hindu-Hardliner das Attentat in ihrem Sinne umdeuten.   Von Arne Perras

Nach 33 Monaten Bauzeit wird er das Denkmal nun einweihen. 182 Meter ragt es in den Himmel, doppelt so hoch wie die Freiheitsstatue. Das Monument soll "Denkmal der Einheit" heißen. 2000 Tonnen Bronze kleiden 140 000 Kubikmeter Beton ein, gestützt durch 15 000 Tonnen Stahl. Millionen Besucher soll die Statue anlocken, in deren Bau 400 Millionen Dollar geflossen sind.

Protest bleibt nicht aus. Bauern schimpfen, dass ein Vermögen in ein Megaprojekt gesteckt werde, das niemanden satt mache. Sie fordern mehr Hilfe für die vernachlässigten indischen Äcker. Doch Modi gibt sich unbeirrt. Das hat vor allem ideologische Gründe. Der regierenden Hindu-Partei Bharatiya Janata Party (BJP) fehlen, anders als der politischen Konkurrenz von der Kongress-Partei, die großen Vorbilder aus der Ära des Unabhängigkeitskampfes.

Indiens Premierminister Modi bei den Feierlichkeiten zur Einweihung der "Einigkeits-Statue" am Sardar-Sarovar-Staudamm.

(Foto: AFP)

Die Vordenker der Hindu-Nationalisten taugen kaum als historische Helden. Die einen sind wegen faschistischer Ideen angreifbar, andere waren in der Kolonialzeit Kollaborateure der Briten. Und dann hat auch noch ein Hindu-Fanatiker Indiens Übervater Mahatma Gandhi ermordet. Gar nicht gut für das Image einer Partei, die sich als Wächterin der Nation positioniert. Schon vor Jahren hatte Modi den Mann im Schatten Nehrus, Sardar Patel, als Vorbildfigur für seine Hindu-Bewegung auserkoren. Allerdings will der historische Patel nicht recht zu den Hindu-Nationalisten passen. Der Premier kapert sich seinen Nationalhelden aus dem Lager der Rivalen. Denn Patel, der wie Modi aus dem Bundesstaat Gujarat stammte, war ein führendes Mitglied der säkularen Kongress-Partei. Patel kritisierte die Reden der religiösen Eiferer als Gift für die Nation und ließ sogar die Kaderorganisation der Hindu-Rechten, den RSS, verbieten. Später, als sie wieder zugelassen wurde, war ausgerechnet Modi ein fleißiger Jünger im RSS.

Gut möglich, dass dem Koloss von Gujarat aber schon bald eine andere, noch größere Statue die Show stehlen wird. In Mumbai wollen sie dem legendären Hindu-Fürsten Chhatrapati Shivaji ein Denkmal errichten, 212 Meter hoch. Er zog gegen muslimische Mogulherrscher zu Felde, ein Held, wie ihn sich glühende Hindu-Nationalisten kaum schöner erträumen könnten.

Politik Indien "Ich habe keinen Hass in mir"

Rahul Gandhi im Interview

"Ich habe keinen Hass in mir"

Rahul Gandhi ist Spross der wichtigsten Politikerfamilie Indiens. Er erklärt, wieso die Politik des amtierenden Premier Narendra Modi eine faschistische Ideologie verfolgt - und warum er ihn trotzdem in die Arme schließt.   Interview von Arne Perras