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Indien:Bräutigam bewusstlos - Braut heiratet anderen

  • Auf einer indischen Hochzeit erleidet der Bräutigam einen epileptischen Anfall - die Braut kündigt daraufhin an, einen Hochzeitsgast zu heiraten.
  • Als der eigentliche Bräutigam aus dem Krankenhaus entlassen wird und zur Hochzeitsfeier zurückkehrt, kommt es zu Handgreiflichkeiten zwischen Gästen. Die Polizei muss eingreifen.

Von Dezember bis Februar ist traditionell Hochzeitssaison in Indien. Viele indische Familien sparen über Jahrzehnte auf eine Hochzeit ihrer Kinder, Banken bieten Hochzeitskredite an. Es ist nicht ungewöhnlich, dass zu den mehrtägigen Festen zwischen 300 und 1000 Gäste eingeladen werden.

Für Jugal Kishore und seine Braut Indira soll es ein unvergesslicher Tag werden. Der 25-Jährige und die 23-Jährige aus Rampur im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh freuen sich auf ihre Hochzeit. Dann überschlagen sich die Ereignisse. Das berichten übereinstimmend lokale Medien.

Kurz vor der Hochzeitszeremonie erleidet der Bräutigam einen epileptischen Anfall und wird bewusstlos. Die Braut wird wütend, weil der Bräutigam ihr und ihrer Familie seine Krankheit verschwiegen hatte - und trifft eine abrupte Entscheidung.

Spontaner Heiratsantrag

Sie werde jetzt einen anderen Mann heiraten, teilt die junge Frau der überraschten Hochzeitsgesellschaft mit. Und zwar: einen Hochzeitsgast namens Harpal Singh. Der stellte sich später als Schwager ihrer Schwester heraus. Singh soll nach einem Bericht der Times of India überrascht von dem spontanen Heiratsantrag gewesen sein. "Er war in Jeans und Lederjacke auf der Hochzeit", werden Augenzeugen zitiert. Doch nach kurzer Bedenkzeit sagt Singh "Ja". Das neue Brautpaar absolviert die "Pheras", das wichtigste Ritual einer indischen Hochzeit.

Die Pheras ist die eigentliche Trauung, sie wird von einem Brahmanen-Priester vollzogen. Siebenmal geht das Brautpaar im Zuge dieser Zeremonie um das heilige Feuer, wobei die Braut die ersten drei Runden anführt und der Bräutigam die letzten vier. Dies soll ein Symbol dafür sein, wer in den ersten Jahren der Ehe jeweils das Sagen haben wird.

Die Reaktion des verschmähten Bräutigams

Nachdem Singh und Indira nun offiziell Mann und Frau sind, kehrt der eigentliche Bräutigam nach einigen Stunden aus dem Krankenhaus zurück, in dem er wegen seines epileptischen Anfalls behandelt worden war.

Der verschmähte Bräutigam Kishore fleht Indira an, ihn doch noch zu heiraten. Er könne sich sonst nie wieder bei Freunden und Nachbarn blicken lassen, wenn er ohne sie in sein Dorf zurückkehre, soll der Mann zu ihr gesagt haben. Zahlreiche Familienmitglieder pflichten ihm bei, reden immer hektischer und verzweifelter auf die Braut ein. Doch sie bleibt unerbittlich. Da greift die Familie des Verschmähten zu Löffeln und Tellern - und wirft sie nach der Braut und ihrer Familie. Ältere Verwandte versuchen zu schlichten, die Polizei muss anrücken und nimmt einige gewalttätig gewordene Hochzeitsgäste fest.

Die Polizei teilt Tage später mit, dass die Familien des Paares sich außergerichtlich geeeinigt haben, Anschuldigungen seien zurückgezogen worden. Kishore und seine Familie seien nun friedlich abgereist.

© SZ.de/jana/afis/rus
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