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Indien:Vergewaltigte Fotografin - Polizei fasst ersten Tatverdächtigen

Journalist gang-raped in Mumbai, one arrested

Polizisten am Tatort

(Foto: dpa)

Schon wieder erschüttert eine Gruppenvergewaltigung Indien. Eine junge Fotografin ist von mehreren Männern sexuell misshandelt worden, ein mutmaßlicher Täter wurde bereits festgenommen. Tatort war Mumbai, eine indische Metropole, die für Frauen als relativ sicher gilt.

Die Meldungen kommen mit einer erschreckenden Regelmäßigkeit. 30. April: "Fünfjähriges Mädchen stirbt nach Vergewaltigung", 1. Mai: "Vierjährige stirbt nach Vergewaltigung", 8. Juni: "20-jährige Studentin stirbt nach Gruppenvergewaltigung". Und heute: wieder eine derartige Nachricht aus Indien, wieder eine Gruppenvergewaltigung, ausgerechnet in Mumbai; die Zwölf-Millionen-Einwohner-Metropole gilt allgemein als eine der sichersten indischen Städte für Frauen. Gruppenvergewaltigungen - Alltag in der zahlenmäßig größten Demokratie der Erde.

Auch dieses Mal ist die Frau jung. Während eines Foto-Shootings in einer Fabrikruine im Zentrum Mumbais schlugen zwei Täter den Begleiter und fesselten ihn mit einem Gürtel, drei Männer vergewaltigten die 23-Jährige. Alle fünf Männer seien identifiziert, einer von ihnen sei bereits gefasst und habe gestanden, erklärte Polizeikommissar Satyapal Singh.

Die Tat erinnert an eine Gruppenvergewaltigung in einem Bus in Neu Delhi, die Ende des vergangenen Jahres weit über Indien hinaus Aufmerksamkeit erregt hatte. Und wieder führt diese Tat zu einem Aufschrei in der indischen Gesellschaft. Wieder protestierten Menschen auf den Straßen, wie schon nach der Vergewaltigung im Dezember und zahlreichen weiteren Fällen.

Das neue Verbrechen empörte am Freitag ganz Indien - und vor allem die Menschen in der Finanz- und Bollywoodmetropole Mumbai, die sich bislang in einer für Frauen sicheren Stadt wähnten. Zahlreiche Schauspieler verliehen ihrem Schock und Scham Ausdruck: "Der moralische Bankrott ist noch schlimmer als der finanzielle Bankrott. Und wir steuern auf beides zu", meinte Anupam Kher, auch angesichts der derzeit schlechten wirtschaftlichen Lage des Landes.

Und der Bollywood-Schauspieler Akshay Kumar schrieb: "Mir kommt es wie ein Déjà-vu vor ... Ehrlich, wie viele solcher Fälle brauchen wir noch, ehe wir etwas machen? Das sind Tiere, die sich als Männer verkleiden." Eine weitere Reaktion: "Noch eine Gruppenvergewaltigung. Noch ein Opfer. Nur ein weiterer Tag für unsere große Nation", twitterte die Autorin Shobhaa De verbittert.

Seit der mörderischen Gruppenvergewaltigung im vergangenen Dezember, der wochenlange Proteste folgten, ist Indien im Aufruhr. Damals war eine 23 Jahre alte Studentin in einem Bus entführt, vergewaltigt und mit einer Eisenstange gefoltert worden. Zwei Wochen später starb sie an ihren inneren Verletzungen.

Frauengruppen kämpfen seitdem für mehr Aufmerksamkeit gegenüber der alltäglichen Unterdrückung, Gesetze für sexuelle Übergriffe wurden verschärft und die Polizei kämpft mit Aufklärungsarbeit und Frauen-Notrufnummern um ihr Ansehen.

© Süddeutsche.de/Reuters/dpa/fzg/jst/luk

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