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In Dresden getöteter Flüchtling:Angeklagter im Fall Khaled B. legt Geständnis ab

  • In Dresden steht von diesem Montag an ein 27 Jahre alter Eritreer vor Gericht.
  • Dem Angeklagten wird vorgeworfen, seinen Mitbewohner Khaled B. wegen eines Streits erstochen zu haben. Er selbst beruft sich auf Notwehr.
  • Der Tod des Flüchtlings hatte bundesweit Empörung ausgelöst.

Tod eines Flüchtlings

Zehn Tage lang spekulierte Deutschland über den Tod des Flüchtlings Khaled B. Die Leiche des jungen Eritreers war am 12. Januar im Hof einer Plattenbausiedlung im Südosten Dresdens gefunden worden. Waren Rechtsextreme für die Tat verantwortlich? Hatte die Pegida-Bewegung, die wenige Kilometer entfernt ihre Demonstrationen abhielt, zu dem Mord angestachelt? Der Fall befeuerte die Debatte über Fremdenhass in Deutschland. DNA-Spuren zeigten schließlich, dass die Sache anders gelagert war als zunächst angenommen.

Hintergrund: Streit um Arbeit im Haushalt

Die Spuren führten zu einem Mitbewohner Khaled B.s. An diesem Montag hat vor dem Dresdner Landgericht der Prozess gegen den 27-Jährigen begonnen.

In einer ersten Vernehmung im Januar hatte der Mann gestanden, die Tat begangen zu haben. Die Ermittler hielten fest, dass sich die beiden Männer, die gemeinsam mit anderen Afrikanern in einer Wohnung zusammenlebten, über Hausarbeit gestritten hatten. Zunächst soll es zu einer verbalen, dann zu einer tätlichen Auseinandersetzung zwischen den Männern gekommen sein. Später soll der Angeklagte Khaled B. im Hof vor dem Plattenbau mit einem Messer angegriffen haben. Die Leiche des 20-Jährigen wurde am nächsten Morgen gefunden.

Bei seiner Aussage vor Gericht berief sich der Angeklagte nun auf Notwehr. Khaled B. habe ihn angegriffen und in den Schwitzkasten genommen. Er habe sich befreien wollen, hieß es in der von seiner Anwältin verlesenen Erklärung. Die Verteidigung betonte, dass Angaben aus der ersten Vernehmung nicht verwertet werden dürften - wegen eines nicht ausreichend qualifizierten Dolmetschers. "Der Angeklagte ist zutiefst bestürzt und bedauert den Tod von Khaled, für den er bis heute keine Erklärung hat", hieß es in der Erklärung weiter.

Polizei musste Ermittlungsfehler zugeben

Der Fall hatte nicht nur wegen des vermuteten Zusammenhangs mit rechter Gewalt Empörung ausgelöst, sondern auch, weil die Ermittler zunächst keine Hinweise auf Fremdeinwirkung gefunden haben wollten - obwohl das Opfer Messerstiche in Hals und Brust erlitten hatte. Der Grünen-Politiker Volker Beck hatte daraufhin wegen Verdachts der Strafvereitelung im Amt Anzeige erstattet. Die Polizei musste Ermittlungsfehler einräumen.

Nachdem der Verdacht auf den jetzt vor Gericht stehenden 27-Jährigen gefallen war, rückten die Wohnbedingungen der Flüchtlinge in den Fokus. Hilfsorganisationen kritisierten, dass oft sehr viele mitunter traumatisierte Menschen unterschiedlicher ethnischer und sozialer Herkunft auf engstem Raum zusammenleben müssen, sodass Spannungen programmiert seien.

© SZ.de/dpa/feko/infu
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