Illegale Grundschule in Bremen Die Kinder vom Körnerwall

Wenn die Kinder später auf weiterführende, reguläre Schulen wechselten, gaben die Eltern an, die bisherige Schule habe keine Schulakten geführt. Das genügte. Manche Eltern umgingen die Schulpflicht ihrer Kinder auch mit dem Schwindel, sie auf einer Privatschule in Niedersachsen angemeldet zu haben. Die Leute, hieß es jetzt aus der Bildungsbehörde, hätten wohl "ein etwas anderes Staatsverständnis".

Erst im vergangenen Winter wurden die Behörden aktiv. Im Zuge des Antrags des Vereines Freie Schule Bremen auf Gründung einer neuen, privaten Grundschule (die das Haus am Körnerwall ablösen sollte) hatte der Vater eines Körnerwall-Kindes bei einer Bürgerschaftsabgeordneten nachgefragt, ob nicht die dortige Schule wenigstens übergangsweise genehmigt werden könne, bis neue Räume gefunden worden seien.

"Peinlich, dass so etwas in dieser Stadt so lange möglich war"

Die Abgeordnete informierte den damaligen Bildungssenator Willi Lemke, der prompt die Schließung verfügte. Die Sache wurde zunächst nicht öffentlich - im Interesse der Kinder, andererseits, sagt Lemke heute, weil er es "peinlich" fand, "dass so etwas in dieser Stadt so lange möglich war".

Gustav Schmitz wollte nächstes Jahr seine Tochter Joseppa in einer alternativen Ersatzschule anmelden. Sie ist fünf Jahre alt und geht bereits im selben Haus am Körnerwall in den Kindergarten Picobello. Das ist eine ganz legale Kita, und viele Eltern ließen ihre Kinder dann einfach im selben Haus. Dass die Schule in der oberen Etage keine Genehmigung hatte, "wussten alle, die ihre Kinder dorthin schickten", sagt Schmitz. Es war nicht schwer, die Kinder aus der Zwergschule später in den regulären Schulbetrieb zu integrieren. Es gibt Gerüchte im Viertel, dass sogar die Enkelin einer früheren Senatorin dort gelernt haben soll.

Dass der Verein Freie Schule Bremen weiter für eine neue alternative Grundschule kämpft, liegt im Trend. Die Zahl der Privatschulen und -schüler steigt jährlich. In Hamburg hat die Sängerin Nena mit solch einem Projekt für Schlagzeilen gesorgt, Fernsehmoderator Jörg Pilawa und seine Frau haben ebenfalls eine Grundschule gegründet. "Vielleicht fehlt uns so ein Name", sagt Gustav Schmitz, die Bremer haben nur ihre Idee zu bieten vom klassenübergreifenden, sechsjährigen eigenständigen Lernen mit großer Sozialkompetenz. Vieles davon kennen die Kinder vom Körnerwall schon.