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Illegale Grundschule in Bremen:Die Kinder vom Körnerwall

Eltern betrieben 26 Jahre lang in Bremen heimlich eine Schule. Vor Gericht kämpfen sie jetzt für eine neue, private Ersatzschule. Und ihre Idee.

Die Schule, die es nicht hätte geben dürfen, liegt an einem verkehrsberuhigten Platz mitten im Viertel, Bremens buntester Ecke. Auf der Grünfläche davor wacht eine Bronzestatue des Freiheitsdichters Theodor Körner, und an der Fassade des typischen Bremer Hauses prangt der Hinweis auf ein Kaffé, aber nicht auf eine Bildungsstätte. 26 Jahre lang sind am Körnerwall Nr. 6 Kinder unterrichtet worden, ohne dass die Behörden das je erlaubt hätten. Eine Art Piratenschule mitten in der Stadt.

Bremen; Grundschule; illegal

Die Grundschule am Körnerwall wurde mangels Unterstützung geschlossen.

(Foto: Foto: dpa)

Gustav Schmitz, 36, hört das nicht gerne - Piratenschule, illegale Bildung, all das, was in Bremen seit einer Woche heiß diskutiert wird. "Wir versuchen, das ins rechte Licht zu rücken", sagt er. Wir - das ist der Verein Freie Schule Bremen, der um die Anerkennung einer neuen, privaten Ersatzschule kämpft.

Keine Zeugnisse und Zensuren

Je schlimmer die Geschichten über die alte, nicht genehmigte Schule am Körnerwall ausfallen, umso geringer werden die Chancen für die neue. Sie sind sowieso schon sehr schlecht, denn in Bremen werden, anders als in anderen Bundesländern, private Grundschulen generell nicht genehmigt - es sei denn aus den im Grundgesetz verankerten Gründen der Konfession, der Weltanschauung oder eines besonderen pädagogischen Interesses. Das Ansinnen des Vereins Freie Schule wurde bisher abgelehnt, er hat Klage vor dem Verwaltungsgericht eingereicht.

Ob die neue Schule kommt, hängt auch von der Bewertung der "alten" ab. Schon vor 26 Jahren hatte ein Elternverein die Schule am Körnerwall gegründet. Nirgendwo in der Stadt hätte es einen besseren Platz dafür geben können als im Viertel, wo alternative Lebensformen Alltag sind. Man hat sich stets ausprobiert in diesem Quartier.

Mit der Zeit wurde das Viertel schicker, die hübschen Häuser saniert, es zog das linksliberale Bürgertum dorthin. Die Schule blieb. Sie funktionierte damals schon ohne Genehmigung, aber offensichtlich geduldet. Es gab auch Versuche, sie nachträglich genehmigen zu lassen. Im Zuge eines solchen Vorstoßes war vor 14 Jahren ein Teil der Eltern mit ihren Kindern in eine anerkannte Modellschule gewechselt; die anderen machten am Körnerwall weiter, im Verborgenen.

Kinder im Grundschulalter wurden dort von einer hauptamtlichen Lehrerin und studierten Honorarkräften unterrichtet. Die Eltern mussten sich um Plätze für ihre Kinder bewerben, sie zahlten ein monatliches Schulgeld von bis zu 200 Euro. Zeugnisse und Zensuren gab es nicht, das ist auch bei anderen Privatschulen oft so.