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Huskys in Kanada:Sitz. Platz. Aus.

Der Kanadier Robert Fawcett erschießt 100 Schlittenhunde und wird dafür sogar entschädigt - wegen psychischer Überlastung. Tierschützer sind empört.

Bernadette Calonego, Vancouver

Nach dem Ende der Olympischen Winterspiele brauchte man die Hunde nicht mehr. Tagelang hatten sie in Whistler, Kanada, Touristen aus aller Welt durch den Schnee gezogen: Suzie, Nora und fast 100 weitere Husky-Hunde. Als alle Medaillen überreicht waren, kehrte Ruhe ein, in Whistler. Im April 2010 ließ der Veranstalter der Schlittenhund-Fahrten, eine Firma namens Howling Dog Tours, die Tiere erschießen. Nun wurde der Fall bekannt - weltweit sind Tierschützer außer sich, protestieren, verschicken Drohungen. Auch die Regierung der Provinz British Columbia lässt die Sache untersuchen.

Huskie Teams Prepare For The 27th Aviemore Sled Dog Race

Huskys gelten in Kanada eher als Arbeits-, weniger als Haustiere.

(Foto: Getty Images)

Bekannt wurde das alles, als dem Mann, der die Hunde erschossen hatte, eine Entschädigung durch die Arbeitsunfallversicherung zugesprochen wurde - und jemand den Bericht öffentlich machte. Er leide an posttraumatischen Stresssymptomen wie Panikattacken, Albträumen und Schlaflosigkeit, erklärte Robert Fawcett. In seinem Bericht an die Versicherung beschrieb er, dass ihm andere Hunde dabei zusahen, wie er die Huskys tötete. Ja, manche Tiere hätten ihn sogar angegriffen, um andere zu schützen. Das alles habe ihm so sehr zugesetzt, dass er nun eine Entschädigung brauche.

Besonders ausführlich schilderte Fawcett den Fall "Suzie". Seine Gewehrkugel habe ihr einen Teil des Schädels weggeblasen, berichtete der operative Leiter des Tourenunternehmens in seinem Bericht. Wegen ihres Geheules habe er schließlich die Leine fallen lassen und das Tier dann später aus der Distanz mit einem Zielfernrohr getötet. Auch Nora sei nicht sofort gestorben. Zwanzig Minuten, nachdem er auf die Hündin geschossen hatte, habe Fawcett gemerkt, dass sie lediglich schwer verwundet war.

Fawcett, 38, lebt mit Familie und Hunden auf dem Firmengrundstück. Seine Firma Howling Dogs wurde vor zwei Jahren von einem größeren Outdoor-Veranstalter übernommen. Dort heißt es nun, man sei davon ausgegangen, dass die Hunde sanft eingeschläfert worden seien. Tatsächlich behauptet Fawcett, er habe zwar einen Tierarzt kontaktiert, doch dieser habe sich ihm gegenüber geweigert, gesunde Hunde nur deshalb einzuschläfern, weil man mit ihnen nichts mehr verdienen könne. Der Hundeführer will auch versucht haben, die Huskys in einem Tierheim unterzubringen - das habe allerdings nicht geklappt. Obwohl die Firma immer noch etwa 200 Tiere besitzt, nimmt das Tourismusbüro in Whistler derzeit keine Buchungen mehr für den Veranstalter entgegen. Die Proteste der Tierschützer sind wohl zu groß.

Diese fordern etwa, dass Firmen, die Schlittentouren anbieten, stärker überwacht werden sollten. Tatsächlich werden Huskys in Kanada meist als Arbeits-, nicht als Haustiere betrachtet. Die Züchtung spezieller Schlittenhund-Rassen reicht bis in die Antike zurück. Dienten die Tiere jahrtausendelang indigenen Völkern bei winterlichen Reisen als Transportmittel, so sind sie heute eher schmückendes Beiwerk für Freunde des Abenteuers.

© SZ vom 14.02.2011/cag
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