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Wetter in den USA:Wie man sich auf einen Hurrikan vorbereitet

Florida Residents Prepare For Hurricane Dorian

Benzinvorräte anzuschaffen, ist keine schlechte Strategie: Wer plötzlich evakuieren muss, will nicht erst noch vorher zur Tankstelle.

(Foto: Christina Mendenhall/Bloomberg)

Präsident Trump warnt vor einem "Monster"-Sturm. Wer in Florida wohnt, ist gut beraten, sich auf den herannahenden Wirbelsturm "Dorian" vorzubereiten. Doch wie macht man das?

Es ist Hurrikan-Zeit im Süden der USA. Diesmal ist es ein Wirbelsturm mit dem Namen Dorian, der am Montag auf die Küste Floridas treffen soll und die Bewohner dort zur Vorbereitung auf den Notfall zwingt. Selbst US-Präsident Donald Trump warnte, wie immer zuerst auf seinem Lieblingsmedium Twitter, seine Landsleute vor dem "Monster"-Sturm. Doch wie genau bereitet man sich eigentlich vor auf einen Hurrikan, der auf Florida wohl als Kategorie-4-Sturm treffen wird? Und warum nehmen viele Amerikaner die Warnungen nicht ernst?

Wann genau ist "Hurrikan-Saison"?

Jedes Jahr vom 1. Juni bis 30. November. Dann heißt es für die Gegenden am Atlantik, in der Karibik und am Golf von Mexiko: Vorbereitungen treffen. In den USA ist am häufigsten Florida betroffen. Von den 36 Hurrikans, die auf die USA stießen, trafen elf direkt den Sunshine State, aber auch die US-Staaten Texas, Louisiana und North Carolina sowie Puerto Rico, Kuba, Mexiko und die karibischen Inseln sind in der Gefahrenzone.

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Wie viele schwere Stürme gibt es etwa pro Jahr?

Alleine im Jahr 2018 zählten die Meteorologen zehn Hurrikans, darunter zwei große, die einen Schaden von insgesamt über 45 Milliarden Euro verursachten. Ihre Namen waren Florence, der in North Carolina anlandete und Michael, der den Norden Floridas traf. Die Namen für die Stürme kommen übrigens von der World Meteorological Organization, die dafür eine Namensliste vorbereitet hat.

Ab wann wird eine Hurrikan-Warnung ausgegeben?

Wenn in den kommenden 36 Stunden mindestens Winde mit einer Geschwindigkeit von 120 Stundenkilometern erreicht werden, gibt der Nationale Wetterdienst eine Hurrikan-Warnung heraus. Man kann den Alarm als Push-Meldung auf dem Handy abonnieren. Alle Stürme, die auf der "Saffir-Simpson Hurricane Wind Scale" von 1 bis 5 mindestens die Kategorie 3 erreichen, zählen als "große Hurrikans".

In einem Hurrikan der Stufe 3 treten Windgeschwindigkeiten von mindestens 178 Kilometer in der Stunde auf, in Kategorie 4 sind es mindestens 209 und in Kategorie 5 mindestens 252 Kilometer in der Stunde.

Dass selbst leichtere Hurrikans eine verheerende Zerstörung hinterlassen können, hat man bei Hurrikan Katrina gesehen. Als er 2005 in New Orleans auf Land traf, hatte er nur noch Kategorie 3. Doch weil die Dämme brachen und ein Großteil der Stadt überflutet wurde, starben 1836 Menschen.

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Warum sind Hurrikans oft doch viel harmloser als vorher über die Wetterdienste angekündigt?

Die Stürme verlieren ihre Kraft, sobald sie auf Land treffen. Weil die Temperaturen dort kühler sind und weil weniger Feuchtigkeit in der Luft ist, nimmt die Spannung zwischen den Luftmassen ab. Hurrikans entstehen in Regionen mit hohen Temperaturen und viel Luftfeuchtigkeit - also typischerweise über den Ozeanen. Die verdunstenden Wassermassen treiben den Wirbelsturm immer mehr an und machen ihn stärker und stärker. Stößt er auf Land, wird er schwächer, denn an Land kühlt der Boden nachts ab und der Sturm bekommt keine warme Luft mehr zugeführt.

Wie bereitet man sich vor, wenn ein Hurrikan naht?

Die US-Regierung hat Tipps und Ratschläge für die Bevölkerung erarbeitet, die zur Vorbereitung nützlich sind. Ein wichtiger Punkt ist die Aufstockung von Nahrungsmittelvorräten und Wasser. Fünf Gallonen Wasser, also etwa 19 Liter, werden pro Person empfohlen, das reicht für drei bis fünf Tage. Entweder man kauft Kanister aus dem Supermarkt oder kocht selbst Wasser zu Hause ab und füllt es um. Wenn der Sturm zuschlägt, wird meist auch das Grundwasser verunreinigt, so dass es aus Gesundheitsgründen nicht ratsam ist, Wasser aus der Leitung zu trinken. Zudem kann ein Hurrikan die gesamte Wasserversorgung einer Kommune zeitweise außer Betrieb setzen.

Außerdem sollte jeder Haushalt genug Konservendosen und anderes haltbares Essen zu Hause lagern, das im Notfall einige Tage ohne Kühlschrank übersteht und das man ohne Kochen verzehren kann. Denn auch die Elektrizität wird von Stürmen oft außer Kraft gesetzt.

Desweiteren unverzichtbar: Taschenlampen (bei Stromausfall), Medikamente und Erste-Hilfe-Kasten, Werkzeug (für Notfallreparaturen), Streichhölzer, ein batteriebetriebenes Radio (um bei Ausfall des Stromnetzes Nachrichten und Wettermeldungen hören zu können) sowie Ersatzbatterien. Wer sich bei dieser Liste an einen Camping-Ausflug erinnert fühlt: Einen Hurrikan vorbeiziehen zu lassen kann sich tatsächlich anfühlen wie Camping im eigenen Haus.

Was tut man, wenn evakuiert wird?

Wer sein Haus im Fall des Falles halsüberkopf verlassen muss, sollte wenigstens ein aufgetanktes Auto vor der Türe haben, damit er nicht noch an der Tankstelle Schlange stehen muss. Auch gut: Eine Kiste mit den wichtigsten Papieren griffbereit haben. Die muss man sich dann nur noch schnappen, wenn es los geht.

Wie kann man sein Haus sichern?

Die Fenster am besten mit Holz verrammeln, die Kieselsteine von der Einfahrt entfernen (weil sie im Sturm zu Wurfgeschoßen werden) und auch sonst herumliegende Gegenstände sichern. Gefährlich wird es für die Amerikaner, die in "mobile homes", also Wohnwagen wohnen. Einen "großen Hurrikan" können diese kaum überstehen.

Was ist mit Haustieren?

Wer im Falle eines Hurrikans sein Haus verlassen muss, kann seine Tiere oft nicht mitnehmen - in Notunterkünften sind sie beispielsweise nicht erlaubt. Gut ist es deshalb, wenn Hund oder Katze einen Chip zur Identifizierung haben, sollten sie im Sturm-Chaos verloren gehen. Wer sein Tier zu Hause lässt, muss für genügend Nahrung sorgen, das versteht sich von selbst. Oder man bringt es vorübergehend in ein Tierheim.

Warum nehmen viele Amerikaner die Hurrikan-Warnungen nicht mehr ernst?

Kaum wird ein Wirbelsturm als Kategorie 3 oder stärker eingestuft, springt die US-amerikanische Medienmaschine an: Meteorologen, die in das betroffene Gebiet reisen und sich von dort stündlich ein Update liefern. Moderatoren, die mit Wetterexperten alle möglichen Konsequenzen diskutieren. Nachrichtensprecher, die mit besorgter Miene ihre Landsleute zur Aufstockung ihrer Vorräte oder Vorbereitung auf eine mögliche Evakuierung auffordern. Wer regelmäßig CNN oder andere Nachrichtensender konsumiert, möchte meinen, der letzte Tag auf diesem Erdball sei angebrochen. Doch häufig bleibt der Weltuntergang aus, weil sich die Stürme an Land abschwächen (siehe oben). Also waren alle Vorkehrungen wieder einmal umsonst. Vielen Amerikanern ist deshalb der Glaube abhanden gekommen, dass es genau dieses eine Mal zur Katastrophe kommt. Sie bleiben deshalb relativ unvorbereitet zu Hause sitzen - und riskieren damit ihr Leben.

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