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Hurrikan:Schwere Schäden und kompletter Stromausfall auf Puerto Rico

  • Hurrikan Maria ist mit einer Windgeschwindigkeit von 250 Stundenkilometern über Puerto Rico hinweggezogen.
  • In ganz Puerto Rico ist der Strom ausgefallen - etwa 3,4 Millionen Einwohner der Insel sind ohne Elektrizität.
  • Insgesamt kamen in der Karibik mindestens 15 Menschen durch den Wirbelsturm ums Leben, zahlreiche Menschen werden noch vermisst.

Hurrikan Maria hat mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 250 Stundenkilometern in Puerto Rico große Schäden und flächendeckende Stromausfälle verursacht. Auf den Straßen flogen Hausdächer umher, Autos wurden wie Spielzeug umgeworfen und zahllose Bäume entwurzelt. "Puerto Rico wird, wenn wir das überstanden haben, definitiv eine zerstörte Insel sein", sagte der Direktor der Notfallbehörde, Abner Gómez. Der Gouverneur des US-Außengebiets, Ricardo Rossello, sprach vom "zerstörerischsten Sturm des Jahrhunderts". Mindestens ein Mensch kam ums Leben.

In ganz Puerto Rico ist der Strom ausgefallen - etwa 3,4 Millionen Einwohner der Insel sind ohne Elektrizität. Das Telefonnetz sei teilweise zusammengebrochen, die Energieversorgung völlig, sagte Rossello im Fernsehsender CNN. Aus dem besonders betroffenen Südosten der Insel gebe es bislang kaum Informationen. Es könne Monate dauern, bis die Schäden wieder behoben seien. Zwischen 18 Uhr abends und sechs Uhr morgens verhängte er eine Sperrstunde bis zum kommenden Samstag, um Rettungskräften den Zugang zu betroffenen Gebieten zu erleichtern und die öffentliche Ordnung aufrechtzuhalten.

Karibikinsel Dominica besonder betroffen

Über Stunden hinweg hatte Maria die Bewohner Puerto Ricos in Atem gehalten, bevor er am Donnerstagmorgen wieder Richtung Meer abdrehte. Der Wetterdienst warnte aber weiter vor gefährlichen Springfluten. Die Überschwemmungen seien "katastrophal", hieß es in einer Mitteilung der Behörden auf Twitter. Weite Teile von San Juan stünden "komplett unter Wasser", sagte Yulín Cruz unter Tränen in einer Notunterkunft zu Journalisten. Zehntausende Menschen hatten in San Juan Zuflucht in Notunterkünften gesucht. Die Regierung hatte vorab landesweit rund 500 Notunterkünfte für 67.000 Menschen eingerichtet. Das Weiße Haus in Washington gab Bundesmittel für die Katastrophenhilfe in dem US-Außengebiet frei. "Puerto Rico ist in einem sehr, sehr, sehr schlimmen Zustand", sagte US-Präsident Donald Trump und verhängte den Katastrophenzustand.

Puerto Rico hatte nach den Verwüstungen, die der Sturm Irma vor zwei Wochen hinterlassen hat, den Wiederaufbau noch nicht beginnen können. Und nun Maria. Der Wirbelsturm der Kategorie vier hatte die Insel am Mittwochmorgen in der Küstenstadt Yabucoa im Südosten erreicht. Am Dienstag war der Hurrikan bereits über den kleinen Inselstaat Dominica sowie über Guadeloupe hinweggezogen. Auf der zu Frankreich gehörenden Insel wurde ein Mensch von einem umstürzenden Baum erschlagen. Ein weiterer ertrank Behörden zufolge im Meer. Zwei Bewohner gelten als vermisst. Die Regierung von Dominica berichtet von mindestens 15 Toten, zahlreiche weitere Menschen würden noch vermisst. Es sei ein Wunder, dass die Zahl der Todesopfer nicht im dreistelligen Bereich liege, sagte Regierungschef Roosevelt Skerrit

Vorab war vor der Zerstörungskraft von Maria gewarnt geworden. Menschen mit unsolide gebauten Häusern aus Holz wurden aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. "Ansonsten werden Sie sterben", sagte der Sicherheitsbeauftragte der Insel, Hector Pesquera. Das Hurrikanzentrum warnte vor "zerstörerischen" Flutwellen. "Der Wind hört sich an wie eine Frau, die aus voller Kehle kreischt", berichtete der Fotograf Mike Theiss auf Twitter. "Wir werden ganz schön durchgerüttelt."

Viele Wissenschaftler vermuten, dass schwere Wirbelstürme wie Maria, Irma und davor Harvey wegen des Klimawandels an Intensität zunehmen. Der französische Präsident Emmanuel Macron griff dieses Thema am Dienstag in seiner Rede vor den Vereinten Nationen in New York auf. Die Serie schwerer Naturkatastrophen in der Karibik sei "eine der direkten Folgen der Erderwärmung", sagte er. Haitis Präsident Jovenel Moïse machte ebenfalls den Klimawandel für die Hurrikans verantwortlich: "Wir, die Staaten der Karibik, stoßen nicht viele Treibhausgase aus, dennoch müssen wir heute für den Schaden aufkommen."

© SZ.de/AP/dpa/AP/afis/dayk

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